Am nächsten Dienstag entscheidet sich das Schicksal von Hillary Clinton. Nur wenn sie in Texas, Ohio (und auch Vermont sowie Rhode Island) gegen Barack Obama gewinnt, kann sie weiter auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur hoffen. Doch was heißt gewinnen? Und wie stehen ihre Chancen? Ein Führer durch den wahren Super Tuesday.
Wie steht das Rennen der Demokraten?
Nach dem guten Abschneiden am Super Tuesday am 5. Februar hat Barack Obama zehn Bundesstaaten (und die Abstimmung der Auslandsamerikaner) allesamt gewonnen. Inzwischen liegt er nach Stimmen, nach der Zahl der Delegierten und auch unter Einschluss der so genannten Superdelegierten klar in Führung. Alles in allem beträgt Obamas Vorsprung bei der entscheidenden Zahl der Delegierten für den Nominierungsparteitag im Herbst mit mehr als 100 vorne. Bei den gebundenen Delegierten hat er sogar 155 mehr als Clinton. (Zur Erinnerung: Was sind eigentlich Superdelegierte?)
Wieviele Stimmen werden am 4. März vergeben?
Insgesamt wählen die Demokraten in vier Staaten, darunter sind zwei Schwergewichte. Von den insgesamt 370 Delegierten entfallen auf:
- Texas 193 Delegierte (davon 126 per Primary in Senatsbezirken, 67 per Caucus)
- Ohio (141 Delegierte, Primary)
- Vermont (15 Delegierte)
- Rhode Island (21 Delegierte)
Warum es das Wahlrecht Clinton so schwer macht
Aus zwei Gründen wird es für Hillary Clinton am Dienstag sehr schwer werden. Erstens werden bei den Demokraten die Delegierten proportional nach dem Ergebnis verteilt. Sie muss als nicht nur siegen, sondern sehr hoch gewinnen, um überhaupt Boden auf Barack Obama gut machen zu können.
Zweitens ist gerade das Wahlrecht im Schlüsselstaat Texas besonders kompliziert. Es kombiniert Primaries (normale Abstimmung) auf Ebene der Senatswahlbezirke mit einer Caucus-Wahl. Bei einem Caucus, wo es besonders darauf ankommt, seine eloquentesten Unterstützer gut zu organisieren, war Obama bislang fast unschlagbar. Und auch bei den Primaries in Texas hat Clinton einen strukturellen Nachteil: hier vergeben Bezirke besonders viele Kandidaten, in denen bei den letzten zwei Wahlen die Beteiligung der Demokraten besonders hoch war - und das sind ausgerechnet Obamas Hochburgen.
Konkret: Houston, Dallas und Austin vergeben jeweils fünf bis acht Delegierte - und hier ist der schwarze Bevölkerungsanteil hoch. In den Bezirken an der Grenze zu Mexiko mit einer starken spanischsprachigen Bevölkerung werden dagegen pro Bezirk nur vier Delegierte vergeben.
Im Ergebnis könnte es daher darauf hinauslaufen, dass Clinton in Texas zwar die meisten Stimmen gewinnt, Obama aber die meisten Delegierten. Oder anders herum: Selbst wenn Clinton doppelt so viele Stimmen wie Obama holt könnte sie in der Abrechnung nur um magere zwei Delegierte vor ihm liegen, rechnet Jack Martin, ein Parteistratege der Demokraten in Texas, vor. Das ist genug, um "erwachsenen Männer zum Weinen zu bringen", wie Clinton selbst sagte.
Wann ist ein Sieg ein Sieg?
Derzeit gilt als ausgemacht, dass Clinton in Ohio und Texas (und am besten auch noch in Vermont und Rhode Island) gewinnen muss. Das hatte auch Bill Clinton offen eingeräumt: "If she wins Texas and Ohio I think she will be the nominee. If you don't deliver for her, I don't think she can be." Doch was heißt gewinnen? Nach der Zahl der Stimmen? Nach der Zahl der Delegierten? Und was ist mit den beiden kleinen Staaten?
Chris Cillizza von The Fix hat sich bei einigen unabhängigen Strategen der Demokraten umgehört - und verschiedene Einschätzungen gehört. Ein echter Sieg setzt nach ihrer Meinung voraus, dass Clinton am Dienstag mehr Delegierte einstreich als Obama. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:
- Two Win Plus: Ohio, Texas und wenigstens einen der beiden kleinen Staaten
- Win the Big States Big: Siege in Ohio und Texas, aber mit sehr großem Vorsprung
Nur in einem dieser Fälle bliebe Clinton im Rennen, die Entscheidung wird auf die nächste große Abstimmung in Pennsylvania vertagt. Jedes andere Ergebnis wäre eine Niederlage. Dann, so die Experten, würde die Partei Druck auf Clinton ausüben, das Feld zu räumen, die Superdelegierten würden noch stärker zu Obama überlaufen.
Wie stehen Clintons Chancen auf einen Durchbruch?
Noch vor wenigen Wochen hatte Clinton in Ohio und Texas mit zweistelligen Zahlen geführt. Immerhin gehören beide zum pragmatischen Mittelwesten, in dem vor allem ihre Stammwähler wohnen. Allerdings steht Ohio mit seiner maroden Wirtschaftsstruktur für den Rost-Gürtel, Texas dagegen für einen aufstrebenden Wirtschaftsstandort. Zudem: Schon bei den letzten Wahlen (zum Beispiel in Wisconsin, das eine sehr ähnliche Bevölkerungsstruktur hat wie Ohio) war Obama tief in diese Wählerschichten eingebrochen. Selbst Clintons letzte Firewall, die spanischsprachigen Wähler in Texas, zeigt Risse, berichtet die New York Times.
Zudem hat Obama seine Siegesserie ein großes Momentum verliehen, das schon fast wie eine selbsterfüllende Prophezeihung wirkt. Wer so strahlend gewinnt, dem fliegen die Aufmerksamkeit der Medien, die Spenden und auch die Stimmen nur so zu. "The Obama campaign and its allies are outspending us two to one in paid media and have sent more staff into the March 4 states. In fact, when all is totaled, Senator Obama and his allies have outspent Senator Clinton by a margin of $18.4 million to $9.2 million on advertising in the four states that are voting next Tuesday," klagte die Clinton-Kampagne - und zeigt damit deutlich, wer jetzt der Favorit und wer der Underdog ist.
Das zeigt sich auch in den Umfragen:
- In Texas hat sich Obama in den letzten Umfragen bereits an die Spitze gesetzt. RealClearPolitics berechnet einen durchschnittlichen Vorsprung von zwei Prozent Prozent - und der Trend (pollster.com) zeigt nach oben.
- In Ohio liegt Clinton laut RealClearPolitics mit im Durchschnitt fünf Prozentpunkten noch in Führung. Aber auch hier rückt Obama mit großen Schritten näher. Das zeigt eindrucksvoll die Trend-Grafik von pollster.com.
- In Vermont gibt es nur wenige Umfragen, aber in denen führt Obama uneinholbar.
- In Rhode Island führt Clinton in den wenigen verfügaren Umfragen mit deutlichem Abstand.
Treten diese Umfragen auch nur annähernd ein ist das Ergebnis völlig klar: Von einem auch nur knappen Sieg kann keine Rede sein, statt dessen würde Obama seinen Vorsprung bei den Delegierten noch ausbauen. Aber erstens haben die Demoskopen in diesem Jahr schon einige Male kräftig daneben gelegen. Und zweitens sollte man Hillary Clinton nie zu früh für k.o. erklären. Wer weiß, was sie noch im Köcher hat. Man stelle sich vor, die hat nicht nur Tränen in den Augen, wie in New Hampshire, sondern fängt tatsächlich vor laufenden Kameras an zu weinen?
Aber im Ernst: Wenn es Clinton noch einmal schafft, das Rennen zu drehen, kommt das einem politischen Wunder gleich.
Für Liebhaber: die Frage nach dem Sinn des Ganzen
Wer sich soweit durch das Wahlrecht gewühlt hat, dem drängt sich die schon fast philosophische Frage auf: welchen Sinn hat das ganze? Warum gilt nicht auch in der Vorwahl das simple Prinzip "one man, one vote"? Ein gutes Thema für eine Debatte.
Kommentare
Fr, 28.05.2010 18:39
Historischer Umbau? Du hast sc hon mitbekommen, dass von den ursprünglichen Plänen nicht vi el übrig geblieben ist u [...]
So, 14.02.2010 12:48
Herzlichen Dank für die Überse tzung. Auch wenn ich gewusst h ätte, dass es später eine Über setzung geben würde, ich [...]
Mi, 20.01.2010 00:29
Eine Einordnung, die Ihrer ähn elt, hat der großartige Robert Misik in seinem Videocast für den Standard abgegeben. [...]
Di, 05.01.2010 18:06
super gemacht.I like it.sehr d eutlich und gut zusammengefass t.
Mi, 23.12.2009 06:08
ich kaufe seit längerem schon keine usa produkte mehr. für m ich sind die usa der terrorsta at nummer 1 weltweit. si [...]