Russland ist den USA mal wieder einen Schritt voraus: die Vorwahl ist längst beendet, und der Sieger am kommenden Sonntag ist auch schon klar (zum Mitsprechen: Di-mi-trij Med-wed-jew). Er ist noch jünger als Barack Obama, teilt dessen Vorliebe für elegante dunkle Anzüge und hält vielversprechende Reden. Allzuviel Hoffnung für Russland habe ich dennoch nicht.
Hillary Clinton brachte es bei der letzten TV-Debatte auf den Punkt: Auf die Frage, was sie über Putins Nachfolger wisse, sprach sie nur über Putin. Die Nachfrage, wer denn nun der nächste russische Präsident werde, machte sie etwas hilflos: "Med, äh Mede, äh ... Medeva ... Whatever".
Wer auch immer. Stimmt. Wer unter Putin Präsident wird ist ziemlich egal.
Zwar hatte es auch in Russland eine Vorwahl gegeben, aber Putin selbst hatte die Teilnehmer bestimmt: Sergej Iwanow, Ex-Verteidigungsminister und Hardliner gegen Dmitrij Medwedjew, den soften Bürokraten mit Reformer-Image. Nach einem kurzen Schaulauf hat Putin dann auch den Sieger der Vorwahl im Alleingang bestimmt: Medwedjew soll es sein. Und damit gar nichts schief gehen kann wechselt Putin selbst in das Amt des Premiers. Die Zustimmungsraten für Medwedjew schossen in die Höhe, an seiner Wahl an diesem Sonntag gibt es keinen Zweifel.
Soweit, so klar. Russlands Demokratie ist unter der Präsidentschaft von Putin entkernt worden, hinter der Fassade verbirgt sich eine Machtclique, deren Flügel (Petersburger Hardliner gegen Petersburger Technokraten) um die Vorherrschaft über Politik und Pfründe ringen. Putin spielt den Wettkampfleiter und Schiedsrichter, und das wird auch so bleiben.
Sicher, Medwedjew ist jung, flexibel, schlau - und auch Putin war bei seinem Amtsantritt sträflich unterschätzt worden. Dennoch glaube ich nicht daran, dass sich der neue Präsident von seinem Übervater emanzipieren und das Land in eine freiere Zukunft führen will. Viel eher ist Medwedjew ein Platzhalter, der den Thron im Kreml einnimmt, um ihn bei der nächsten Wahl wieder an Putin zurückzugeben. Die Verfassung stünde dem nicht entgegen, und die Wähler wohl auch nicht.
Hillary Clinton hat es also gar nicht nötig, Medwedjews Namen zu trainieren. Soll das doch Barack Obama übernehmen. Clintons nächste Chance auf die US-Präsidentschaft kommt erst 2012 - und dann könnte Russlands Präsident schon wieder Wladimir Putin heißen.
Kommentare
Fr, 28.05.2010 18:39
Historischer Umbau? Du hast sc hon mitbekommen, dass von den ursprünglichen Plänen nicht vi el übrig geblieben ist u [...]
So, 14.02.2010 12:48
Herzlichen Dank für die Überse tzung. Auch wenn ich gewusst h ätte, dass es später eine Über setzung geben würde, ich [...]
Mi, 20.01.2010 00:29
Eine Einordnung, die Ihrer ähn elt, hat der großartige Robert Misik in seinem Videocast für den Standard abgegeben. [...]
Di, 05.01.2010 18:06
super gemacht.I like it.sehr d eutlich und gut zusammengefass t.
Mi, 23.12.2009 06:08
ich kaufe seit längerem schon keine usa produkte mehr. für m ich sind die usa der terrorsta at nummer 1 weltweit. si [...]