Die ganze Geschichte, in seinen eigenen Worten
Barack Obama begründete seinen Ruf als charismatischer Redner mit seinem Auftritt beim Parteitag der Demokraten 2004. Diese Rede begann er mit einem Blick auf seine Herkunft, auf die Unwahrscheinlichkeit, hierher gelangt zu sein:
"Tonight is a particular honor for me because, let's face it, my presence on this stage is pretty unlikely. My father was a foreign student, born and raised in a small village in Kenya. He grew up herding goats, went to school in a tin-roof shack. His father was a cook, a domestic servant. But he had larger dreams for his son. Through hard work and perseverance my father got a scholarship to study in a magical place: America, which stood as a beacon of freedom and opportunity to so many who had come before. While studying here, my father met my mother. She was born in a town on the other side of the world, in Kansas. Her father worked on oil rigs and farms through most of the Depression. The day after Pearl Harbor he signed up for duty, and marched across Europe. My grandmother raised their baby and went to work on a bomber assembly line. And they, too, had big dreams for their daughter, a common dream, born of two continents. My parents shared not only an improbable love; they shared an abiding faith in the possibilities of this nation. They would give me an African name, Barack, or "blessed," believing that in a tolerant America your name is no barrier to success. They imagined me going to the best schools in the land, because in a generous America you don't have to be rich to achieve your potential. I know that, on this night, they look down on me with pride."
Eine Kindheit zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Kansas, Hawaii und Indonesien
Ann Dunham war eine junge und naive Studentin der Völkerkunde aus Wichita, Kansas, als sie Barack Hussein Obama Sr. auf Hawaii kennen lernt. Obama ist Wirtschaftswissenschaftler, Kenianer vom Stamm der Luo und Austauschstudent. Die beiden heirateten, als in Teilen der USA Ehen zwischen Schwarzen und Weißen noch verboten waren. Am 4. August 1961 bringt Ann Dunham ihren ersten Sohn zur Welt, Barack Hussein Obama Jr.
Time hat sich später auf Dunhams Spuren geheftet und das Porträt einer sehr vielschichtigen Frau geschrieben: "Each of us lives a life of contradictory truths. We are not one thing or another. Barack Obama's mother was at least a dozen things: a teen mother who later got a Ph.D. in anthropology; a white woman from the Midwest who was more comfortable in Indonesia; a natural-born mother obsessed with her work; a romantic pragmatist, if such a thing is possible." Ähnlich ambivalent äußert sich Barack selbst über seine Mutter: "I think that there was a certain combination of being very grounded in who she was, what she believed in. But also a certain recklessness. I think she was always searching for something. She wasn't comfortable seeing her life confined to a certain box."
Schon nach zwei Jahren verschwindet der Vater aus Obamas Leben. Er studiert zunächst in Harvard und kehrt dann nach Kenia zurück. Er trifft sich erst sehr viel später einmal mit seinem Sohn, bevor er 1982 bei einem Verkehrsunfall in Kenia stirbt. Über die Religionszugehörigkeit von Obama Sr. gibt es widersprüchliche Angaben, doch er stammt aus einer muslimischen Familie und was selbst offenbar Atheist.
Ann Dunham heiratet wenig später Lolo Soetoro, ein Student aus Indonesien. Im Alter von sechs Jahren zieht Barack Obama mit Mutter und Stiefvater in dessen Heimat, nach Jakarta, wo dieser als Ölmanager arbeitet. Dort besucht Barack eine lokale Schule, zunächst eine katholische, später eine staatliche. Berichte, er habe eine so genannte Madrassa, eine muslimische Koranschule, besucht, stimmen nicht. Gemeinsam mit Baracks Mittelnamen und der Herkunft seines Vaters ist dieses Gerücht später Ursache vieler Gerüchte, er sei kein Christ sondern Moslem.
Roger Cohen, Kolumnist der International Herald Tribune hat Obamas zweite Schule in Jakarta aufgesucht und dort an einem Jahrgangstreffen von Barrys (wie er sich damals nannte) Mitschülern teilgenommen. Cohens Urteil über die Schule ist eindeutig: "I went to the school, where there's now a huge photograph of pilgrims at Mecca in the entrance; I imagined Fox News filming it one day to pronounce the place a madrasa. It's nothing of the sort. It's a state school whose students are about 85 percent Muslim, a little below the national average. There's a mosque and a small Christian prayer room with a sign saying: "I understand we are all different and include everyone."
Hier habe Obama Erfahrungen gesammelt, die ihn bis heute prägen: "I listened to stories and tried to imagine the nine-year-old Obama too embarrassed to sing, trying sticky rice instead of his sandwich. No wonder Obama is adept at exploring the spaces in between, the areas that are neither black nor white, neither "with us" nor "against us," neither red state nor blue state: He has spent his life building bridges to assemble a coherent identity. Only by uniting disparate threads could he become whole as Barack Obama in a world experienced as defined by divergent truths."
1971 kehrt Barack mit seiner Mutter und seiner Halbschwester Maya, nach Amerika zurück und lebt in der Hochhaus-Wohnung seiner weißen Großeltern auf Hawaii. Dort besucht er die Punahou School - und tut sich vor allem als Basketball-Spieler hervor. Hier, in seiner Mannschaft, kam er zum ersten Mal in seinem Leben mit anderen Schwarzen zusammen. "At least on the basketball court I could find a community of sorts,” schreibt er in seiner Autobiographie "Dreams of My Father". Schon damals, auf dieser ethnisch sehr bunten, aber nur von sehr wenig Schwarzen bewohnten Insel, treibt ihn eine innere Spannung an.
“He couldn’t sit back and wait for the answers to come to him. He had to pursue those answers actively. I think Hawaii gave him a sense that a lot of different voices and textures can sort of live together, however imperfectly, and he would walk in many worlds and feel a level of comfort,” zitiert die NYT seine Schwester Maya. Und weiter: “There was always a joke between my mom and Barack that he would be the first black president. He has always been restless. There was always somewhere else he needed to go.”
Vom jungen Wilden zum Vorzeige-Studenten
1979 schließt Barack die High School ab und geht nach Los Angeles, zum Occidential College. Unter seinen Studienkollegen ist "Barry" bald für seine Eloquenz und für seinen Einsatz im Kampf gegen die Apartheid bekannt. Mit seinen meist weißen Kommilitonen hörte er Led Zeppelin und die Rolling Stones, debattiert über den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan und über Jimmy Carters Wehrpflichtpläne, liest Nietzsche, Freud und Sartre. Gegen Ende 1980 entschied sich Obama, künftig seinen Vornamen Barack zu nutzen und "Barry" zu verlassen, schreibt Newsweek in einem Porträt seiner College-Zeit. Dieser Wechsel, der die Assimilation von Amerikas Einwanderern konterkariert sei "part of his almost lifelong quest for identity and belonging—to figure out who he is, and how he fits into the larger American tapestry."
Etwas widersprüchlich sind seine eigenen Angaben über seinen Drogenkonsum. Schon zuvor, noch zuhause auf der High School habe er sich an Alkohol, Hasch und gelegentlich auch Kokain versucht, schreibt er selbst in seinem Buch. Als Schüler habe er "ein paar wirklich falsche Entscheidungen" getroffen, berichtete er Studenten im November 2007, da ist er schon Präsidentschaftskandidat. Doch seine Mitschüler, später von der NYT befragt, können sich an keine Drogenexperimente erinnern. Für sie war Barack ein zielstrebiger, sportlicher Student. Noch während seiner zwei Jahre am Occidential College habe er erkannt, dass er in Drogen und Apathie abzugleiten drohte, schreibt er selbst. In dieser Zeit hat Obama offenbar auch gedichtet - zwei davon wurden veröffentlicht.
Occidential wurde ihm schnell zu eng und klein - daher bewarb er sich bei der renommierten Columbia University in New York. Er wird angenommen und studiert dort von 1981 bis 1983 Politik mit einem Schwerpunkt auf internationale Beziehungen. Seine Abschlussarbeit schreibt er über die sowjetische Abrüstungspolitik. Über diese Zeit ist nicht viel bekannt, in seiner Autobiographie beschreibt er sich als Einzelgänger in der Großstadt, "searching for a way to make myself of some use.”
Er verrät nur, dass er in dieser Zeit aufhört Drogen zu nehmen und jeden Tag drei Meilen rennt. Er wohnt zur Untermiete, sitzt Abends mit seinem Mitbewohner auf der Feuertreppe und beobachtet “white people from the better neighborhoods bring their dogs to defecate on the block". Über sein Studium an der Elite-Uni Columbia berichtet er kaum etwas, Anfragen der New York Times, die über seine Zeit in der Stadt berichtet, beantwortet er nicht.
Erste Ausflüge in die Berufswelt - die Versuchung von Geld und Macht
Nach seinem Abschluss bleibt Obama zunächst in New York und arbeitet 1983 bei der Beratungsfirma Business International Corporation. In seiner Autobiographie berichtet er, er habe sich dort wie ein "spy behind enemy lines” gefühlt. Plötzlich habe er ein Büro, eine Sekretärin, einen Anzug gehabt -und erweckt den Eindruck, der Versuchung einer hochbezahlten Karriere bei einer internationalen Firma widerstanden zu haben."Sometimes, coming out of an interview with Japanese financiers or German bond traders, I would catch my reflection in the elevator doors — see myself in a suit and tie, a briefcase in my hand — and for a split second I would imagine myself as a captain of industry, barking out orders, closing the deal, before I remembered who it was that I had told myself I wanted to be and felt pangs of guilt for my lack of resolve,” schreibt Obama.
Doch ganz so war es wohl nicht, wie die New York Times recherchierte. Sie zitiert einen Kollegen Obamas aus der Zeit: Das Unternehmen war eine Research-Büro von 250 Mitarbeitern, für die Obama an einem Newsletter schrieb. Man habe sich leger gekleidet, nur der Chef hatte eine Sekretärin.
Später nimmt er eine feste Stelle bei dem NGO New York Public Interest Research Group an und betreut Studenten am City College in Harlem - für knapp 10 000 Dollar im Jahr. Schon damals, so zitiert die NYT seine damaligen Vorgesetzten, habe er sich dabei hervorgetan, Studenten vom linken bis zum rechten Spektrum ansprechen zu können.
Chicago - und der Weg zu einem ganz besonderen Glauben
1985 nimmt Obama eine Stelle bei dem kirchlichen Development Communities Project an und zieht nach Chicago - wo er knapp vier Jahre lang als Sozialarbeiter in den harten, heruntergekommenen Nachbarschaften unterwegs ist.
In Chicago findet Obama auch seine spirituelle Heimat, seine afro-amerikanische Gemeinschaft in der Trinity United Church of Christ, in der Gemeinde des für seine radikalen Ansichten, für seinen Kampf gegen jede Form des Rassismus bekannten und umstrittenen Reverend Jeremiah A. Wright. Obama hatte von seinen Eltern zwar eine religiöse Bildung, aber keinen wirklichen Glauben mitbekommen hatte.
Weil immer wieder über Obamas religiösen Hintergrund spekuliert wird geht die New York Times ins Detail:"The grandparents who helped raise Obama were nonpracticing Baptists and Methodists. His mother was an anthropologist who collected religious texts the way others picked up tribal masks, teaching her children the inspirational power of the common narratives and heroes. His mother’s tutelage took place mostly in Indonesia, in the household of Obama’s stepfather, Lolo Soetoro, a nominal Muslim who hung prayer beads over his bed but enjoyed bacon, which Islam forbids. “My whole family was Muslim, and most of the people I knew were Muslim,” said Maya Soetoro-Ng, Mr. Obama’s younger half sister. But Mr. Obama attended a Catholic school and then a Muslim public school where the religious education was cursory.Years later, Mr. Obama met his father’s family, a mix of Muslim and Christian Kenyans."
Obama selbst findet erst in seiner Gemeinde in Chicago zu Gott. Wrights Predigt 1988 “The Audacity of Hope,” (Die Kühnheit der Hoffnung) inspiriert Obama nicht nur zu dem Titel seines zweiten Buches, sondern bekehrt ihn von Grund auf. Hier lässt er sich 1988 taufen, und hier holt er sich den letzten Schliff für seine rhetorische Begabung.
In seiner Biographie schreibt Obama: “Inside the thousands of churches across the city, I imagined the stories of ordinary black people merging with the stories of David and Goliath, Moses and Pharaoh, the Christians in the lion’s den, Ezekiel’s field of dry bones. Those stories — of survival, and freedom, and hope — became our story, my story.”
Sein Gaube wird von seinen politischen Auffassungen später nicht mehr zu trennen sein, jede Rede hat tiefe religiöse Züge. Jede wichtige Entscheidung wird er fortan mit Wright, seinem spirituellen Führer, besprechen. Allerdings entwickelt Obama einen eigenen, anderen Redestil, urteilt die Times: "Obama speaks with cool intellect and on-the-one-hand reasoning. He tends to emphasize the reasonableness of all people; Mr. Wright rallies his parishioners against oppressors."
Wright wird aber auch nicht müde, seine Gemeinde und unter ihnen vor allem die ersten sozialen schwarzen Aufsteiger vor dem Verlust ihrer Wurzeln zu warnen, vor einer “middleclassness” - in der egoistischer Individualismus das Solidaritätsgefühlt gefährdet. Eine Mahnung, die später zu einer zentralen Botschaft Obamas wird. (Mehr zu Wright, sein höchst erfolgreiches Konzept einer modernen, politischen und sozialen Kirche findet sich in der NYT.
Allerdings wurde Wright später, mitten in Obamas Kampf um die demokratische Nominierung gegen Hillary Clinton zu einer schweren Belastung für Obama: Nachdem immer mehr anti-amerikanische, zum Hass auf Weiße aufrufende Bemerkungen des Pastors bekannt wurde, musste sich Obama öffentlich von ihm distanzieren. Allerdings nutzte er die Kontroverse auch zu seiner bahnbrechenden Rede über das Verhältnis von Schwarzen und Weißen in Amerika - auch 2008 ein heikles Thema.
Harvard: Höchste akademischen Weihen, erster Star-Ruhm
Von 1988 bis 1991 besucht Obama die Harvard Law School, eine der besten Elite-Hochschulen, die Amerika zu bieten hat. Er studiert Verfassungsrecht und wird 1990 zum Chefredakteur des sehr renommierten Fachblattes Harvard Law Review gewählt - in einem Verfahren, das verdächtig dem eines Caucus ähnelt. Damit erhielt Obama die höchste Position, die ein Student in Harvard erlangen kann - und das als erster Schwarzer überhaupt, was ihm zum ersten Mal einen großen Artikel in der New York Times einbringt. Und seinen ersten Buchvertrag, für eine Autobiographie, mit 28 Jahren. 1991 schließt er das Jura-Studium mit Auszeichnung (magna cum laude) ab.
In seinen eigenen Büchern geht Obama kaum auf die Harvard-Zeit ein, aber sie veränderte ihn profund. "He arrived there as an unknown, Afro-wearing community organizer who had spent years searching for his identity; by the time he left, he had his first national news media exposure, a book contract and a shot of confidence from running the most powerful legal journal in the country," bilanziert die NYT.
In Harvard habe er seinen Stil entwickelt, der auf Konsens statt auf Konfrontation aufbaut. Und schon dort habe er sich als Meister der ideologischen Kämpfe bewiesen, der aber nie ganz offen legte, wo er selbst eigentlich steht. “He then and now is very hard to pin down,” zitiert die Times einen Kommilitonen. Und einer seiner damaligen Mentoren: “He can enter your space and organize your thoughts without necessarily revealing his own concerns and conflicts.”
Sein Amt als Chef des Harvard Law Review führte Obama in einer extrem schwierigen Zeit, offenbar sehr geschickt aus. Zu dieser Zeit waren nur 12,5 Prozent der Studenten Schwarze, und Obama ihr prominentester Vertreter. Eine Gruppe von Studenten forderte eine weitere Öffnung ein, warf der Uni Diskriminierung vor und besetzten das Büro des Uni-Präsidenten. Obama musste Stellung beziehen, setzte sich für die Sache der schwarzen Minderheit ein, ohne aber die weißen Studenten anzugreifen.
Und schon damals habe er einen nahezu unstillbaren Hunger auf die Meinung der anderen gehabt - und seine eigenen Reden hätten sich vor allem durch ihren Stil und weniger durch ihre Substanz ausgezeichnet. "In dozens of interviews, his friends said they could not remember his specific views from that era, beyond a general emphasis on diversity and social and economic justice," so die Times.
Die Frau seines Lebens
Noch in seinem ersten Harvard-Jahr, in seinem ersten Praktikum als Jurastudent, lernt Obama die Frau seines Lebens kennen, Michelle Robinson. Auch sie ist eine Karriere-Juristin aus einfachen Verhältnissen, geboren "on the southside" von Chicago. Die beiden heiraten am 18. Oktober 1992 in der Trinity Church in Chicago. (Mehr über "Obama's Rock" in diesem Beitrag. Und hier ein Reportage über einen Wahlkampfauftritt von Michelle Obama. Der New Yorker widmet "The Other Obama" eine sehr ausführliche Reportage.)
Die erste Tochter der beiden, Malia, wird 1999 geboren. 2001 folgt Natasha. Bei der Verwurzelung seiner eigenen Familie wählt Obama offenbar ganz bewußt das Gegenteil dessen, was er selbst mit seiner Mutter erlebt hatte: "Whereas she swept her children off to unfamiliar lands and even lived apart from her son when he was a teenager, Obama has tried to ground his children in the Midwest. "We've created stability for our kids in a way that my mom didn't do for us," he says. "My choosing to put down roots in Chicago and marry a woman who is very rooted in one place probably indicates a desire for stability that maybe I was missing", heißt es in dem Time-Porträt von Obamas Mutter.
Anwalt und Dozent
1991 kehrt Obama nach Chicago zurück. Dort leitet er zunächst Project Vote, eine Graswurzel-Kampagne für die Präsidentschaftswahl 1992. 1993 tritt er als Anwalt der Kanzlei Miner, Barnhill & Galland bei und vertritt vor allem Fälle von Diskriminierungen am Arbeitsplatz.
Außerdem unterrichtet er Verfassungsrecht an der Chicago University, eine Tätigkeit, der er zehn Jahre lang treu bleiben wird. Die New York Times befragt später seine früheren Studenten, wie Obama als Lehrer aufgetreten war und was für Schlüsse sich für seinen Politikstil darauf ziehen lassen: "The men and women who studied with him at Chicago echo observations that Obama was much more pragmatic than ideological. Even as his political career advanced, Obama’s teaching stuck to the law-school norm of dispassionately evaluating competing arguments with the tools of forensic logic. But Obama apparently was not attached to legal argumentation for its own sake. “It was drilled into us from Day 1 that you examined your biases and inclinations,” Richard Hess, now an attorney at Susman Godfrey in Houston, says. “And then, when you made decisions, they were based on sound empirical reasons.”
Schon damals hatte Obama offenbar seinen Blick auf das Weiße Haus gerichtet: "Obama offered many hypotheticals in his courses to help explain cases. In a constitutional law lecture more than a decade ago, he tossed out one asking his students to imagine him as president of the United States, according to one who was present. Some giggles ensued. What, he asked, is so funny about that?"
Dubiose Beziehungen zum Slum-Lord
Zu Beginn seiner Zeit in Chicago machte Obama auch die Bekanntschaft mit dem Immobilien-Entwickler Antoin Rezko, der zum Freund der Familie wird, später aber als Betrüger vor Gericht steht. Vor allem ein Hauskauf der Familie Obama einige Jahre später mit Hilfe der Familie Rezko wird ihm später angekreidet. Rechtlich hat er sich dabei korrekt verhalten, doch räumte Obama selbst später schlechtes Urteilsvermögen in diesem Fall ein. (Mehr zum "Slumlord" Rezko in diesem Beitrag.)
1995 veröffentlicht Barack Obama seine Autobiographie "Dreams of My Father", in der er seinen Herkunft, die Suche nach seinem Vater und seiner Identität und seine Sozialisation schildert - und die zu einem echten Bestseller wird. Unter welchen Umständen das Buch entstanden ist - und welch ein kommerzieller Flop es zunächst war, beschreibt die New York Times: "The story of Mr. Obama’s life as an author tells as much about him as some of the stories he has recounted in his books. It possesses at times the same charmed quality sometimes ascribed to his political ascent — an impression of ease, if not exactly effortlessness, that obscures a more complex amalgam of drive, ambition, timing and the ability to recognize an opportunity and to do what it takes to seize it."
Eine politische Karriere im Schnellgang
Immer wieder hatten Freunde ihn gedrängt, sein rhetorisches Talent in die Politik einzubringen und dort für ihre gemeinsame Sache zu kämpfen. 1996 wird Barack Obama schwach und lässt sich für den Bezirk Hyde Park von Chicago in den Senat von Illinois wählen. Hier, als unbekannter Politiker im harten Klima von Chicago, erlebt er seine politischen Lehrjahre und zimmert sich nach und nach eine Koalition, die auch 2008 im Wahlkampf um das Weiße Haus seine Basis sein wird, schreibt die New York Times: "The secret of his transformation, which has brought him to the brink of claiming the Democratic presidential nomination, can be described as the politics of maximum unity. He moved from his leftist Hyde Park base to more centrist circles; he forged early alliances with the good-government reform crowd only to be embraced later by the city’s all-powerful Democratic bosses; he railed against pork-barrel politics but engaged in it when needed; and he empathized with the views of his Palestinian friends before adroitly courting the city’s politically potent Jewish community. To broaden his appeal to African-Americans, Mr. Obama had to assiduously court older black leaders entrenched in Chicago’s ward politics while selling himself as a young, multicultural bridge to the wider political world."
2000 bewirbt sich Obama um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus in Washington - und verliert die parteiinterne Vorwahl gegen den Amtsinhaber Bobby Rush. Der ist ein Veteran der Black Panther - und lässt den jungen Politiker gegen die Wand laufen, schreibt Time in einem Porträt über diese Zeit: "Obama was a cultural outsider. Rush attacked his Ivy League education, using the E word for the first time. "He went to Harvard and became an educated fool," the Congressman told the Chicago Reader. "We're not impressed with these folks with these Eastern-élite degrees." Not growing up on the South Side raised other suspicions about Obama. So did his white mother and his Establishment diction. Obama's first encounter with racial politics was over the perception that he wasn't black enough."
Obama war nach dieser Niederlage am Boden, spielte sogar mit dem Gedanken, aus der Politik auszusteigen und einen hochbezahlten Job für eine NGO anzunehmen. Doch er besann sich, fing noch einmal von vorne an und startet durch.
Am 2. Oktober 2002 hält er in Chicago eine Rede, in der er seine Haltung zum Irak-Krieg eindeutig festlegt:
"I stand before you as someone who is not opposed to war in all circumstances. The Civil War was one of the bloodiest in history, and yet it was only through the crucible of the sword, the sacrifice of multitudes, that we could begin to perfect this union, and drive the scourge of slavery from our soil. I don't oppose all wars. (...) After September 11th, after witnessing the carnage and destruction, the dust and the tears, I supported this administration's pledge to hunt down and root out those who would slaughter innocents in the name of intolerance, and I would willingly take up arms myself to prevent such tragedy from happening again. I don't oppose all wars. What I am opposed to is a dumb war. What I am opposed to is a rash war. What I am opposed to is the cynical attempt by Richard Perle and Paul Wolfowitz and other armchair, weekend warriors in this administration to shove their own ideological agendas down our throats, irrespective of the costs in lives lost and in hardships borne."
2004 bewirbt sich Obama für eine Nominierung der Demokraten für den US-Senat in Washington - und gewinnt die Vorwahl mit 52 Prozent der Stimmen gewählt, 29 Prozentpunkte mehr als der Zweiplatzierte erhält. Damit etabliert sich der Afroamerikaner als neuer politischer Stern der Demokraten.
Beim Parteitag am 27.7.2004 darf er die Hauptrede halten - und begründet seinen Ruhm als begnadeter Redner. Das wohl bekannteste Zitat (neben den oben zitierten Eingangsworten): "Yet even as we speak, there are those who are preparing to divide us, the spin masters and negative ad peddlers who embrace the politics of anything goes. Well, I say to them tonight, there's not a liberal America and a conservative America - there's the United States of America." (Die ganze Rede im Wortlaut.)
Im November gewinnt Obama die Wahl gegen den Bewerber der Republikaner mit 70 zu 27 Prozent und zieht in den Senat ein.
2006 veröffentlicht er sein zweites Buch, "The Audacity of Hope" (Die Kühnheit der Hoffnung), in dem er sein politisches Credo ausbreitet. Auch dieses Werk wird ein Erfolgsschlager. Die NYT beschreibt den Hype: "The book’s release in October 2006 must have been the envy of anyone who ever published a book or contemplated higher office. In Chicago, people started lining up outside 57th Street Books at 4:15 on the morning of Mr. Obama’s book signing. For his Seattle signing, the
Elliott Bay Book Company rented the 2,500-seat hall where the symphony performs, sold out the tickets in 90 minutes and reported a level of turnout that topped all previous records at the store for any author, including Mr. Clinton.Time magazine published an excerpt of the book and put Mr. Obama on the cover, with a line that said “Why Barack Obama Could Be the Next President.” Interessant auch die Homestory in Bildern, mit der Time die Geschichte untermalte: "Being Obama", zum Beispiel beim Abwasch mit seiner Tochter.
Kühnheit und Hoffnung: Auf dem Weg ins Höchste Amt
In diesem Jahr werden immer wieder Gerüchte laut, dass Obama sich für die Kandidatur der Demokraten für das Weiße Haus bewerben könnte. Im Dezember reist er zum ersten Mal in seinem Leben in den frühen Vorwahlstaat New Hampshire. Und schon jetzt ruft er begeisterten Anhängern zu: "Im Fired Up. Ready to Go." Es folgen intensive Debatte mit seinen Vertrauten, und vor allem mit seiner Frau - die zunächst alles andere als begeistert ist und sich große Sorgen um Obamas Sicherheit macht.
Am 16. Januar 2007 erklärt Barack Obama in einer Videobotschaft an seine Unterstützer, dass er sich für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewerben wird: “Our leaders in Washington seem incapable of working together in a practical, common-sense way. Politics has become so bitter and partisan, so gummed up by money and influence, that we can’t tackle the big problems that demand solutions.”
Am 10. Februar 2007 folgt die offizielle Erklärung in Springfield, Illinois, der Heimatstadt von Abrahm Lincoln:
"It was here, in Springfield, where North, South, East and West come together that I was reminded of the essential decency of the American people - where I came to believe that through this decency, we can build a more hopeful America. And that is why, in the shadow of the Old State Capitol, where Lincoln once called on a divided house to stand together, where common hopes and common dreams still, I stand before you today to announce my candidacy for President of the United States. I recognize there is a certain presumptuousness - a certain audacity - to this announcement. I know I haven't spent a lot of time learning the ways of Washington. But I've been there long enough to know that the ways of Washington must change. (...) I know there are those who don't believe we can do all these things. I understand the skepticism. (...) That is why this campaign can't only be about me. It must be about us - it must be about what we can do together. This campaign has to be about reclaiming the meaning of citizenship, restoring our sense of common purpose, and realizing that few obstacles can withstand the power of millions of voices calling for change. By ourselves, this change will not happen. Divided, we are bound to fail. As Lincoln organized the forces arrayed against slavery, he was heard to say: "Of strange, discordant, and even hostile elements, we gathered from the four winds, and formed and fought to battle through." That is our purpose here today. That's why I'm in this race. I want to win that next battle - for justice and opportunity. I want to win that next battle - for better schools, and better jobs, and health care for all. I want us to take up the unfinished business of perfecting our union, and building a better America."
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Foto-Copyrights: tsevis@flickr.com; jmtimages@flickr.com
Kommentare
Mo, 06.09.2010 22:18
I'm proud of him, he is the be st..I stand fully behind him
Fr, 28.05.2010 18:39
Historischer Umbau? Du hast sc hon mitbekommen, dass von den ursprünglichen Plänen nicht vi el übrig geblieben ist u [...]
So, 14.02.2010 12:48
Herzlichen Dank für die Überse tzung. Auch wenn ich gewusst h ätte, dass es später eine Über setzung geben würde, ich [...]
Mi, 20.01.2010 00:29
Eine Einordnung, die Ihrer ähn elt, hat der großartige Robert Misik in seinem Videocast für den Standard abgegeben. [...]
Di, 05.01.2010 18:06
super gemacht.I like it.sehr d eutlich und gut zusammengefass t.