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Mittwoch, 6. Februar 2008Wer hat denn nun gewonnen?Kommentare
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Das ganze Wahlprocedere ist in der Tat irgendwie albern: offene/geschlossene Primaries/Caucuses, und selbst bei den Demokraten diese merkwürdige Aufteilung in Wahlbezirke und die nicht nachvollziehbare Zuteilung der Delegierten darauf. Das Ergebnis hat am Ende mehr mit Zufall zu tun als mit dem Wählerwillen. Dann gibt es noch so lustige Begleitumstände wie die Micky-Maus-Veranstaltungen in Michigan und Florida, ausfallende und nicht ersetzbare Wahlmaschinen, spontan früher schliessende Wahllokale, etcpp.
Ich bin gerade dabei, mal spasseshalber den 'Popular Vote Count' bei den Demokraten zu erstellen, aber exakte Daten zu den Caucuses scheint es leider nicht zu geben. Die Tendenz ist aber jetzt schon klar: Primaries: [Stimmen] Obama 8,0 Mio - Clinton 8,3 Mio Caucuses: [Delegiertenstimmen] Obama 360 Tsd - Clinton 115 Tsd (Quellen: CNN, NYT; bei vernachlässigbar wenigen nicht ausgezählten Bezirken) Obama würde deutlich führen, wenn man die Caucus-Stimmen in popular votes umrechnet [ist noch in Arbeit], zumal Florida mit eingerechnet ist (ohne Florida sänke sein Rückstand bei den Primaries auf lediglich 50 Tsd Stimmen). Clinton hat also bisher mehr Delegierte pro Wählerstimme abgreifen können als Obama und damit vom System profitiert. Theoretisch ist immer noch ein Szenario eines knappen Gesamtergebnisses möglich wie damals bei Gore/Bush, bei dem ein solche 'Systemfehler' den Wählerwillen umkehren.
Das Alabama-Ergebnis ist aber auch alles andere als endgültig, denn eigentlich müssten 52 Delegierte vergeben werden (lt. CNN, NY-Times) und bei 20:21 fehlen da noch 11. Bei der NY-Times wird weiterhin beschreiben, dass 18 an das Gesamtergebnis des Staates geknüpft sind und 34 an die Ergebnisse der 7 Kongress-Wahlkreise. Eigentlich müsste diese Verteilung Obama favorisieren, da er auch mehr Counties gewonnen hat als Clinton. Ich denken, dass weder die CNN-Berechnung, noch die RealClearPolitics-Berechnung zum jetzigen Zeitpunkt richtig ist.
@ Nachtrag:
Alabama vergibt insgesamt 52 pledged delegates, der 20-21 Rückstand ist also nur ein Zwischenergebnis, bei dem die Verteilung von 11 Delegierten noch aussteht. Warum es innerhalb eines Tages nicht möglich ist, normale Stimmen zu prüfen und in einfachen kumulativen Verfahren zuzuordnen, um dann vorher feststehende Regeln zur Ermittlung der Delegiertenverteilung anzuwenden, habe ich noch nie verstanden. Ich stehe kurz davor, belästigende Mails an US-Medien zu schreiben, um dieses Mysterium endlich einmal aufzuklären.
Die NYT schreibt zumindestens im Detail, wie die Delegierten verteilt werden: "Based on the results of the Feb. 5 presidential primary, 52 delegates are allocated to presidential candidates, with 34 delegates based on primary results in each of the seven Congressional districts and 18 based on the statewide results. At the state executive committee meeting March 1, the remaining eight unpledged delegates are selected, most of whom are members of Congress and national committee members." Aber sowohl die Times als auch RCP zeigen bislang nur 29 bzw. 41 vergebene Delegierte an - und bei beiden führt Clinton knapp. Sehr merkwürdig.
@ Martin, Georg
Danke für die Hinweise. Diese Verteilung beruht auf einer 65:35-Verteilung der Staats- bzw. Countyweiten Ergebnisse, die meines Wissens in allen demokratischen Primaries angewendet wird. Unterschiede zwischen den landesweiten Stimmenanteilen und der Summe an pledged delegates kommen durch die wenig nachvollziehbare Zuordnung von Delegierten an die einzelnen Wahlbezirke zustande, was bei einer geraden Zahl von Delegierten dazu führt, dass selbst bei einer deutlichen Mehrheit in einem County beide Kandidaten gleich viele Delegierte bekommen. Bei einer ungeraden Zahl erhält ein Kandidat schon bei einer 51:49-Mehrheit einen Delegierten mehr. In der Summe kann das eben die erwähnten Verschiebungen ergeben; mit einer demokratischen Vorgehensweise hat das meiner Meinung nach nicht mehr viel zu tun. (siehe auch folgendes kurze Video: http://www.msnbc.msn.com/id/21134540/vp/22887506#23000906) Deswegen konzentrieren sich die Kampagnen in vielen Staaten von vorneherein auf Bezirke mit ungeraden Delegiertenzahlen, weil da sozusagen leichter was zu holen ist. Counties mit geraden Delegiertenzahlen haben eine deutlich geringere Auswirkung auf das Endergebnis. Auf diese Art wird das demokratische Urprinzip 'One man, one vote' gleich mehrfach ausgehebelt. Inwiefern sich das dann auf das Endergebnis auswirkt, muss man aber noch abwarten. Im Moment scheint sehr vieles dafür zu sprechen, dass das demokratische Rennen an der Wählerfront so eng ausgeht, dass am Ende sowieso die Superdelegates entscheiden. Da machen dann unfaire Verfahren zur Ermittlung der 'normalen' Delegierten den Bock auch nicht fett. Ärgerlich wäre allenfalls, wenn Obama die Hälfte der Superdelegates auf seine Seite holt, gleichzeitig die Mehrheit der Basis hinter sich hat, aber wegen der schrägen Delegiertenberechnung am Ende trotzdem hinten liegt (das ist das Szenario, das ich oben angedeutet habe). Allerdings muss man dem fairerweise entgegenhalten, dass in den Caucuses Obama bevorzugt wird und dort (nach menschlichem Ermessen) deutlich höhere Ergebnisse einfährt, als er bei Primaries holen würde. Woran das genau liegt, weiss keiner, aber die bisher vorliegenden Ergebnisse sprechen da eine sehr deutliche Sprache. Letzten Endes ist es wohl einfach so, dass die grosse Bandbreite an Wahlverfahren in den verschiedenen Staaten eine wirklich faire und transparente Wahl verhindert. All das erklärt aber leider nicht, wieso man nicht in der Lage ist, am Tag nach einer Wahl ein verbindliches Ergebnis bekanntzugeben. Von einer zentralen Informationsstelle, die dafür sorgt, dass den Medien die gleichen Daten zur Verfügung stehen und verhindert, dass man überall mit anderen Zahlen versorgt wird, wagen wir erst gar nicht zu träumen. ;-)
Vielleicht darf man bei den gegenwärtigen Wahlrummel nicht aus den Augen verlieren, dass es ja in erster Linie um eine PARTEIINTERNE Kandidatenkür geht und noch nicht um einen eigentlichen Volkswillen.
Natürlich kann man die undurchsichtigen Prinzipien kritisieren, die wirklich kaum nachvollziehbar sind. Aber in erster Linie tritt so ein enges Rennen doch nur auf, wenn zwei Kandidaten gleich auf liegen. In erster Linie zählt dann doch die Wählerstimme. Gäbe es einen eindeutigen Kandidaten, hätten wir die Probleme nicht. Bei diesen Kopf-an-Kopf-Rennen wird aber auch deutlich: Egal wer gewinnt und nach welchem System, die Mehrheit hat er/sie wohl nicht hinter sich. Vom allgemeinen Volkswillen ganz zu schweigen.
Im Prinzip hast du Recht, die Partei könnte es theoretisch auch auswürfeln, wenn sie das für ein geeignetes Verfahren hielte. Ihre Sache.
Mir geht es um Folgendes: Das chaotische Verfahren ist in jedem Falle inkonsequent und undurchsichtig. Wenn sie den Teilnehmern an den Vorwahlen nicht trauen, sollen sie es halt auskungeln wie die meisten anderen Staaten auch. Wenn sie die Wahlen aber abhalten, sollten sie sich an ihrem Namen messen lassen und entsprechende jahrtausendealte Erfahrungen berücksichtigen. Du hast Recht, es geht dabei nicht um den Volkswillen, der kommt erst bei den Präsidentenwahlen zum Zug. Wenn ich mich aber 'Demokratische Partei' nenne, sollte ich mich nicht allzu weit von den entsprechenden Grundsätzen entfernen. ;-)
Also das System ist echt sehr kompliziert und ich mag mir echt nicht alle Artikel darüber durch lesen die es gibt. Wenn die ganzen Ergebnisse so bleiben wie bisher dann wird wohl HRC das Rennen bei den Demokraten machen.
Ich hab aber mal ein paar Fragen: Wie ist das mit den Wahlmännern? Gehen die wirklich zum Parteitag der Demokraten und müssen dann bei der Nominierung das Kreuz da machen wo sie gesagt bekommen haben von ihrem Bundesstaat? Und wie ist das mit den Wahlmännern die für andere Kandidaten bestimmt waren (siehe: http://content.usatoday.com/news/politics/election2008/results-all.aspx)? Also dürfen jetzt die Wahlmänner von Edwards, Richardson, usw. nach eigenem Willen entscheiden wenn sie wählen? Da geht doch der Sinn der Wahlen flötten und bei einen so knappen Stand wie er zz ist, können diese Stimmen schon viel wiegen. Oder werden diese Stimmen einfach fallen gelassen und die Wahlmänner dürfen zuhause bleiben? Sind eigentlich schon alle Briefwähler in den bisherigen Staaten berücksichtigt worden? Ich glaub hier gelesen zu haben das ein nicht unerhebliche Anzahl an Leuten per Brief gewählt haben? Alles in allem finde ich das System sehr verzwickt und ob da alles mit richtigen Dingen zu geht kann bei dem System doch nie 100% sagen. Und das bei einer Weltmacht die in andere Länder einfällt und dort freie und faire Regierungssytem zu ermöglichen :(
Es gibt die Delegierten, die in den Vorwahlen vom Fussvolk gewählt wurden, die sind ihrem Kandidaten bzw. dem Wählerwillen verpflichtet. Ist ihr Kandidat ausgeschieden, können sie frei entscheiden, bekommen aber i.d.R. Empfehlungen, die sie dann einhalten. 20% der Convention bestehen aber aus Superdelegierten, das sind von Funktionären in den Staaten bestimmte mehr oder weniger verdiente Parteimitglieder, die sollten theoretisch mit dem Votum ihres Staates gehen, machen in Wirklichkeit aber, was sie wollen. Manchmal auch einfach das, was ihnen am meisten einbringt bzw. am wenigsten schadet. Es gab schonmal eine ähnliche Situation wie jetzt bei Mondale/Hart, da wurde intern mit Bestechung und Drohungen gearbeitet. Nachvollziehbar, wenn man die Attraktivität des Siegerpreises berücksichtigt.
Die Briefwähler werden ganz normal mit den anderen Stimmen ausgezählt. Das ist auch wichtig, weil ihre Zahl von Wahl zu Wahl immer grösser wird. Mit rechten Dingen geht es bei solchen Veranstaltungen nie zu, schliesslich sprechen wir hier über Politiker. ;-) Immerhin muss man den Amis zugestehen, dass sie das gemeine Volk wesentlich intensiver in den Kandidaten-Findungsprozess einbinden als das in anderen Staaten getan wird. Trotz der unübersehbaren Schwächen finde ich das deutlich reizvoller als z.B. in Deutschland, wo man von diesen Entscheidugen irgendwann in der Zeitung liest, nachdem sie schon feststehen. |
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Kommentare
Mo, 06.09.2010 22:18
I'm proud of him, he is the be st..I stand fully behind him
Fr, 28.05.2010 18:39
Historischer Umbau? Du hast sc hon mitbekommen, dass von den ursprünglichen Plänen nicht vi el übrig geblieben ist u [...]
So, 14.02.2010 12:48
Herzlichen Dank für die Überse tzung. Auch wenn ich gewusst h ätte, dass es später eine Über setzung geben würde, ich [...]
Mi, 20.01.2010 00:29
Eine Einordnung, die Ihrer ähn elt, hat der großartige Robert Misik in seinem Videocast für den Standard abgegeben. [...]
Di, 05.01.2010 18:06
super gemacht.I like it.sehr d eutlich und gut zusammengefass t.