Mit einer energiegeladenen Rede ist Barack Obama in seine Präsidentschaft gestartet. Er zeichnet ein realistisches Bild der Krise, kritisiert Fehler und Unterlassungssünden seiner Vorgänger, erinnert Amerika an seine starken Traditionen und nimmt alle Bürger mit in den Kampf für eine bessere Zukunft - auch die Menschen im Ausland, wenn sie guten Willens sind. Die gesamte Rede in deutscher Übersetzung.
Eine Sonderleistung des Cloud-Translating, die komplette Rede in deutscher Fassung. Vielen Dank an die Handelsblatt-Kollegen Regina Krieger, Nicole Bastian, Frank Specht, Rolf Benders und Christoph Nesshöver für die Übersetzungshilfe. Das ganze geschah innerhalb von 20 Minuten, daher holpert diese Rohfassung noch an ein paar Stellen.
Meine Mitbürger,
Ich stehe hier heute – demütig vor der Aufgabe, die vor uns liegt, dankbar für das Vertrauen, dass Ihr mir verliehen habt, mit Gedanken an die Opfer unserer Vorfahren.
44 Amerikaner haben den Präsidenten-Eid jetzt abgelegt. Diese Worte
sind in Zeiten des Wohlstandes und des Friedens gesprochen worden. Doch
immer wieder ist dieser Eid auch in Zeiten des herannahenden Sturms
erklungen. Auch diese Momente hat Amerika überwunden – nicht dank des
Könnens und der Visionen unserer Politiker, sondern weil wir, das Volk,
den Gauben an die Ideale unserer Gründerväter wach gehalten haben.
So war es. So muss es auch diese Generation der Amerikaner halten.
Dass wir mitten in einer Krise stehen, haben wir inzwischen
verstanden. Unsere Nation ist im Krieg. Unsere Wirtschaft ist schwer
verletzt, eine Konsequenz der Gier und der Verantwortungslosigkeit
einiger von uns – aber auch eine Folge des kollektiven Versagens, die
richtigen harten Entscheidungen zu treffen und unser Land für die
Zukunft vorzubereiten.
Häuser gingen verloren, Arbeitsplätze wurden vernichtet, Unternehmen
geschlossen. Unsere Gesundheitsversorgung ist zu teuer, unser Schulen
lassen zu viele scheitern – und jeder Tag bringt neue Belege, dass
unser Umgang mit den Rohstoffen unsere Feinde stärkt und den Planeten
bedroht.
Es gibt Indikatoren für die Krise, Daten und Statistiken. Weniger
messbar, aber nicht weniger wichtig ist der Verlust an Vertrauen im
ganzen Land – die nagende Angst, dass Amerikas Untergang nicht mehr
aufzuhalten ist und die nächste Generation ihre Erwartungen zurück
nehmen muss.
Unsere Herausforderungen sind real. Sie sind ernsthaft, und es sind
viele. Wir werden sie nicht einfach und nicht in kurzer Zeit
bewältigen. Aber Amerika weiß es, wir werden sie annehmen.
Heute haben wir uns hier versammelt, weil wir uns für die Hoffnung
und gegen die Angst entschieden haben, für die Einheit und gegen den
Konflikt.
Heute verkünden wir das Ende der kleinlichen Streitigkeiten und der
falschen Versprechen, das Ende der ausgeleierten Dogmen, die unsere
Politik eingeschnürt haben.
Es ist die Zeit gekommen, unseren von Generation zu Generation
weitergegebenen Gründungsgedanken weiter in die Zukunft zu tragen, dass
alle Menschen gleich und frei sind, dass alle Menschen im Streben nach
ihrem eigenen Glück die gleiche Chance verdienen.
Die Größe unserer Nation erneut zu bestätigen bedeutet, dass wir sie
nicht als gegeben hinnehmen. Sie muss verdient werden. Unser Weg durch
die Geschichte hat nie aus Abkürzungen oder faulen Kompromissen
bestanden. Er war nie etwas für unbeherzte Gestalten und solche, die
Freizeit gegenüber harter Arbeit den Vorzug gaben. Im Gegenteil: Unser
Weg wurde bestimmt von Menschen, die Risiken auf sich nahmen und ihr
Schicksal selbst in die Hand nahmen. So führten sie diese Nation zu
Freiheit und Wohlstand.
Für uns packten sie ihre wenigen Habseligkeiten und überquerten den Ozean, um ein neues Leben anzufangen.
Für uns arbeiteten sie unglaublich hart, um den Westen dieses Kontinents urbar zu machen.
Für uns kämpften und starben sie in historischen Schlachten wie Conord, Gettysburg, in der Normandie und Khe Sahn.
Dies ist der Weg, auf dem wir heute weitergehen. Wir sind weiterhin
die wohlhabendste und mächtigste Nation der Erde. Unsere Arbeiter
leisten nicht weniger als vor Beginn dieser Krise. Unsere Entwickler
sind nicht weniger erfinderisch, unsere Produkte nicht weniger
wettbewerbsfähig.
Aber die Zeit, in der Sonderinteressen geschützt und unangenehme
Entscheidungen verschoben wurden, ist nun vorbei. Beginnend mit dem
heutigen Tag müssen wir uns aufrichten und selbst aus dem Dreck ziehen.
Wir müssen damit beginnen, Amerika neu zu erschaffen.
Einige aber stellen die Größenordnung unserer Vorhaben in Frage,
argumentieren, dass unser System zu viele große Pläne nicht aushält.
Ihnen mangelt es an Erinnerungsvermögen. Denn sie haben vergessen, was
dieses Land alles schon getan hat, was freie Männer und Frauen schaffen
können, wenn Ideenreichtum auf Gemeinschaft trifft, Notwendigkeit auf
Mut.
Die Zyniker verstehen nicht, dass sich die Erde unter ihnen
verschoben hat - dass die alten politischen Argumente nicht mehr
gelten. Die Frage, die wir uns heute stellen, ist nicht, ob unsere
Regierung zu klein oder zu groß ist, sondern ob sie funktioniert, ob
sie Familien dabei hilft, Jobs mit angemessener Bezahlung zu finden,
ihnen bezahlbare Pflege und eine würdige Rente ermöglicht. Wo wir diese
Frage mit Ja beantworten, werden wir weitermachen. Dort, wo die Antwort
Nein lautet, werden wir Programme einstellen. Und die von uns, die das
öffentliche Geld ausgeben, werden zur Verantwortung gezogen, das Geld
weise auszugeben, schlechte Gewohnheiten zu ändern und unsere Geschäfte
vor den Augen aller zu machen – denn nur dann können wir das wichtige
Vertrauen zwischen dem Volk und seiner Regierung wieder herstellen.
Die Frage vor uns ist nicht, ob der Markt eine gute oder schlechte
Kraft ist. Die Macht des Marktes, Wohlstand und Freiheit zu schaffen,
ist unvergleichbar, aber die Krise hat uns daran erinnert, dass der
Markt ohne ein wachendes Auge außer Kontrolle geraten kann – und dass
eine Nation nicht lange reich sein kann, wenn sie nur die Reichen
bevorzugt. Der Erfolg unserer Wirtschaft beruht nicht nur auf der Größe
unseres Bruttoinlandsprodukts, sondern vielmehr darauf, dass wir jedem
Willigen die Möglichkeiten gegeben haben, sich wirtschaftlich zu
entwickeln – nicht aus Barmherzigkeit, sondern weil es für uns alle der
beste Weg ist.
Unsere Gründungsväter hatten im Angesicht von Gefahren, die wir uns
kaum vorstellen können, eine Charter entworfen, die sicherstellt, dass
Gesetz und Menschenrechte regieren. Diese Ideale gelten noch heute. Und
deshalb an alle, die heute zusehen, von den größten Städten bis zu dem
kleinen Dorf, in dem mein Vater geboren wurde: Seid gewiss, dass
Amerika ein Freund jeder Nation und jedes Mannes, jeder Frau und jedes
Kindes ist, die eine Zukunft in Friede und Würde suchen – und dass wir
bereit sind, wieder zu führen.
Erinnert Euch, dass frühere Generationen Faschismus und Kommunismus
nicht nur mit Bomben und Panzer überwunden haben, sondern mit starken
Allianzen und Kraft ihrer Überzeugung. Sie haben verstanden, dass uns
Macht allein nicht beschützen kann, und dass uns Macht auch nicht
erlaubt, zu handeln, wie es uns gefällt. Unsere Vorgänger wussten, dass
unsere Macht durch ihren vorsichtigen Einsatz wächst, dass wir
Sicherheit erlangen durch die Richtigkeit unserer Sache, durch die
Kraft unseres Beispiels.
Wir sind die Hüter dieses Erbes. Mit diesen Prinzipien können wir
den neuen Bedrohungen begegnen, die unsere ganze Anstrengung bedürfen –
die eine noch größere Kooperation und ein noch besseres Verständnis
zwischen den Staaten verlangen. Wir werden damit beginnen, den Irak
verantwortungsvoll an seine Bevölkerung zu übergeben, einen hart
erreichten Frieden in Afghanistan zu festigen. Mit alten Freunden und
Verbündeten werden wir ohne Pause daran arbeiten, die nukleare
Bedrohung abzubauen und gegen das Gespenst einer globalen Erderwärmung
zu kämpfen. Wir werden uns nicht entschuldigen für unsere Art zu Leben.
Und all denen, die ihre Ziele durch Terror und das Töten Unschuldiger
durchsetzen wollen, euch sagen wir, dass unser Geist stärker ist und
ihr ihn nicht brechen könnt. Ihr könnt uns nicht überdauern, und wir
werden euch besiegen.
Wir wissen, dass unser Patchwork-Erbe eine Stärke ist, keine
Schwäche. Wir sind eine Nation aus Christen und Muslimen, Juden und
Hindus – und Atheisten. Wir sind geprägt durch jede Sprache und Kultur
aus allen Teilen dieser Erde. Und weil wir die bittere Erfahrung des
Bürgerkriegs und der Rassentrennung kennen, und weil wir aus diesem
dunklen Kapitel gestärkt und einiger hervorgegangen sind, glauben wir,
dass alte Feindschaften eines Tages vorbei sein werden, dass
Stammesgrenzen verschwinden und – weil die Welt kleiner wird – dass
sich unsere gemeinsame Menschlichkeit offenbart, und dass Amerika seine
Rolle dabei spielen muss, eine neue Ära des Friedens einzuleiten.
Der muslimischen Welt sei gesagt, dass wir einen neuen Weg nach
vorne suchen, basierend auf gemeinsamen Interessen und gemeinsamem
Respekt. Für die Führer in der Welt, die Konflikte säen wollen oder die
die Krankheiten ihrer Gesellschaften dem Westen anlasten – lasst euch
gesagt sein, dass die Menschen in euren Ländern euch danach beurteilen
werden, was ihr aufbaut, nicht danach, was ihr zerstört. Denen, die
durch Korruption, Betrug oder die Unterdrückung abweichender Meinungen
an die Macht kamen, sei gesagt, dass sie auf der falschen Seite der
Geschichte stehen. Aber wir sind bereit, eine Hand auszustrecken, wenn
sie ihre Faust öffnen.
Den Menschen in den Entwicklungsländern sei gesagt, dass wir mit
ihnen arbeiten, damit ihre Farmen florieren und sauberes Wasser fließt,
damit Hungernde zu Essen bekommen und der Geist Nahrung hat. Und den
Nationen, die in Reichtum leben, sage ich, dass wir das Leid jenseits
unserer Grenzen nicht länger ignorieren können. Und wir können auch
nicht die Ressourcen der Welt nutzen, ohne auf die Folgen zu achten.
Wenn wir an den Weg denken, der vor uns liegt, erinnern wir uns mit
großer Dankbarkeit an jene tapferen Amerikaner, die in dieser Stunde in
entlegenen Wüsten und weit entfernten Gebirgszügen patrouillieren. Sie
haben uns heute einiges zu sagen, so wie die gefallenen Helden, die in
Arlington begraben sind, durch alle Zeiten zu uns sprechen. Wir ehren
sie nicht nur, weil sie Beschützer unserer Freiheit sind, sondern weil
sie den Geist des Dienstes für ihr Land mit Leben füllen, die
Bereitschaft, Bedeutung in etwas zu finden, das über ihre Person
hinausgeht. Und in diesem Moment, ein Moment, der eine Generation
bestimmen wird, ist es dieser Geist, der uns alle erfüllen muss.
Wie viel eine Regierung auch tun kann und muss – es ist letztlich
das Vertrauen und die Bestimmung des amerikanischen Volkes, worauf
unsere Nation ruht. Es ist die Freundlichkeit, einen Fremden
aufzunehmen, wenn die Dämme brechen, die Selbstlosigkeit von Arbeitern,
die lieber ihre Arbeitszeit reduzieren, als zu sehen, wie ein Freund
seinen Job verliert, die uns durch unsere dunkelsten Stunden führt. Es
ist der Mut des Feuerwehrmanns, ein rauchgeschwängertes Treppenhaus
hinaufzustürmen – aber auch die Bereitschaft von Eltern, ein Kind
großzuziehen, was letztlich über unser Schicksal entscheidet.
Unsere Herausforderungen mögen neu sein. Die Instrumente, mit denen
wir sie bewältigen wollen, mögen neu sein. Aber die Werte, auf denen
unser Erfolg beruht – harte Arbeit und Ehrlichkeit, Mut und Fairplay,
Toleranz und Neugier, Loyalität und Vaterlandsliebe – diese Dinge sind
alt. Sie sind wahr. Sei waren die ruhige Quelle des Fortschritts in
unserer Geschichte. Jetzt lautet die Herausforderung: zurück zu diesen
Wahrheiten. Von uns verlangt wird nun eine neue Ära der Verantwortung –
jeder Amerikaner muss anerkennen, dass wir uns selbst, unserer Nation
und der ganzen Welt gegenüber Verpflichtungen haben – Verpflichtungen,
die wir nicht grummelnd hinnehmen, sondern frohgemut annehmen, stark in
dem Wissen, dass es nichts besseres für den Geist und nichts
Charakterstärkenderes gibt als unser Bestes zu geben für die
Bewältigung einer schwierigen Aufgabe.
Das ist der Preis und das Versprechen der Staatsbürgerschaft.
Das ist die Quelle unseres Vertrauens – das Wissen, dass Gott uns ruft, um ein unsicheres Schicksal zu meistern.
Das ist die Bedeutung unserer Freiheit und unserer Überzeugungen –
warum Männer und Frauen und Kinder jeder Rasse und jedes Glaubens hier
bei dieser Feier sind und weil ein Mann, dessen Vater vor weniger als
60 Jahren in einem Restaurant hier vielleicht nicht bedient worden
wäre, jetzt vor Ihnen stehen kann, um diesen heiligen Eid zu sprechen.
So lassen Sie uns an diesem Tag gedenken, wer wir sind und wie weit
wir gekommen sind. Im Jahre der Geburt Amerikas, im kältesten Monat,
versammelte sich eine kleine Gruppe Patrioten um ein ersterbendes
Lagerfeuer am Ufer eines eisigen Flusses. Die Hauptstadt war verlassen.
Der Feind rückte vor. Der Schnee war mit Blut getränkt. In dem Moment,
in dem das Ergebnis unserer Revolution am meisten in Zweifel stand,
veranlasste der Vater unserer Nation, dass die folgenden Worte dem Volk
vorgelesen werden sollten:
"Möge die zukünftige Welt wissen (...), dass im tiefsten Winter, als
nur noch Hoffnung und Mut überleben konnten, (...) die Stadt und das
Land alarmiert von einer gemeinsamen Bedrohung, zusammen kamen, um sich
ihr entgegenzustellen."
Amerika, im Angesicht unserer gemeinsamen Bedrohungen, in diesem
Winter großer Entbehrungen, erinnern wir uns dieser zeitlosen Worte.
Lasst uns einmal mehr mit Hoffnung und Mut die eisigen Ströme
durchqueren und die Stürme ertragen, die da kommen mögen. Auf dass die
Kinder unserer Kinder sagen mögen, dass wir, als wir getestet wurden,
uns weigerten, diese Reise zu beenden, weder umdrehten noch aufgaben;
und dass wir, mit den Augen gen Horizont gerichtet und mit Gottes Gnade
über uns, dieses großartige Geschenk der Freiheit weiter trugen und es
sicher unseren Nachfahren übergaben.
Kommentare
Fr, 17.08.2012 16:37
Ich hätte einen Kommentar zur Übersetzung von "...and a king who took us to the mountainto p and pointed the way to [...]
So, 10.06.2012 15:01
Was ist denn so schlimm daran, dass ein Hauptschüler die Red e übersetzen könnte? Das heißt doch noch lange nicht, [...]
Mi, 14.03.2012 18:47
könnte mir bitte jemand den un terschied zwischen delegierten und den wahlmännern erklähren BITTE
Sa, 21.01.2012 18:11
Die Zeile "a president who cho se the moon as our new frontie r," Heißt nicht "des Präsiden ten, der den Mond als un [...]
Fr, 24.06.2011 01:31
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