Noch zwei Tage bis zur Wahl - und bislang ist wenig in Sicht, was den aktuellen Trend brechen könnte. Die Medien beschäftigen sich mit der Enthüllung, dass Barack Obamas Tante offenbar als illegale Einwanderin in den USA lebt. Obama und John McCain bearbeiten noch einmal die entscheidenden Swing States. Details zu den neuesten Umfragen und: John McCain bei Saturday Night Life.
In den letzten Stunden, bevor am Dienstag die Wahllokale geöffnet werden, warten alle gespannt, ob die Republikaner nicht doch noch Vorwürfe gegen Barack Obama auf den Tisch legen, die das Rennen grundlegend verändern könnten. Doch abgesehen von Sarah Palins konstanten Angriffe bleiben die Angriffe eigentlich relativ zahm. Eine beispiellose Schlammschlacht kann ich nicht erkennen, die Obamas Vizepräsidentenkandidat Joe Biden dem Gegner John McCain vorwirft:
In my view, over the last few weeks, John McCain’s campaign has gone way over the top. They are trying to take the low road to the highest office in the land. It’s not only George Bush’s economic
policies that John McCain has bought hook, line and sinker. He’s also bought Karl Rove’s brand of political tactics.
Natürlich spielen die Medien immer neue Geschichten, auf die beide Lager pflichtschuldig reagieren müssen. Aber die haben eher zweitrangiges Kaliber. Etwas die Berichte über Obamas kenianische Tante Zeituni Onyango. Laut Associated Press lebt sie noch immer in Boston, obwohl ihr Asylgesucht bereits vor vier Jahren abgelehnt worden war. Außerdem habe sie 265 Dollar an die Obama-Kampagne gespendet, was ebenso illegal wie ihr Aufenthalt in den USA ist (weil Spenden nur von US-Bürgern erlaubt sind).
Prompt sagt Obamas Chefberater David Axelrod, diese Geschichte rieche verdächtig nach einer republikanischen Quelle. Offiziell erklärt die Kampagne: "Senator Obama has no knowledge of her status but obviously believes that any and all appropriate laws be followed." Die Spenden würden zurücküberwiesen. Die Ironie an der Geschichte ist, dass sich neben Obama auch McCain für eine Verbesserung der Recht der illegalen Einwanderer in den USA eingesetzt hatte, sehr zum Ärger großer Teile seiner Partei.
Barack Obama nutzte die wöchentliche Radio-Ansprache der Demokraten, um ein weiteres Mal seine Abschluss-Argumente darzulegen. Hier die Ansprache zum anhören und nachlesen.
John McCain suchte sich eine etwas glamourösere Plattform. Er trat bei der NBC-Kultsendung Saturday Night Life auf, die sich in den vergangenen Folgen vor allem über Sarah Palin lustig gemacht hatte. Allerdings hatte auch McCain eine seltsame Rolle: Er trat als Gastgeber für den Schauspieler Ben Affleck auf. Das Ergebnis liefer ich nach.
Wie steht es im täglichen Pferderennen?
Laut CNNs Poll of the Polls verliert Barack Obama einen Punkt seines Vorsprungs auf John McCain:
Fifty percent of likely voters nationally support Obama, 44 percent support McCain, and six percent are unsure about their choice for president. In CNN’s October 31 national poll of polls, Obama had a seven-point lead over McCain – 50 percent compared to 43 percent.
Bei RealClearPolitcs, die den Durchschnitt der relevanten Umfragen der letzten vier Tage berechnen und daher weniger starke Ausschläge anzeigen, klettert Obamas Vorsprung 6,5 auf 6,8 Prozentpunkte.
Dazu trägt vor allem bei, dass alle drei Gallup Polls jetzt Obama mit zehn Punkten vorne sehen - sowohl in den Berechnungen auf Basis des traditionellen und des ausgeweiteteten Konzepts der Likely Voter als auch auf Basis aller registrierten Wähler. Den Freunden der Statistik erklärt Gallup untem oben genannten Link gerne, was es damit auf sich hat.
In den Bundesstaaten und damit bei den Wahlmännern setzt sich in den Umfragen der Trend zugunsten von Obama fort.
RealClearPolitics wertet Arizona (bislang zu McCain tendierend) wieder als unentschieden, insgesamt führt Obama mit 311 Wahlmännern weit vor McCain mit 132. 95 gelten als offen. Pollster.com schließt sich dieser Lesart an.
CNN zählt Ohio noch als Unentschieden, Arizona für McCain. Daher ist hier Obamas Abstand nicht ganz so gewaltig: 291 vor 160; 87 unentschieden. 270towin.com sieht es fast genauso.
In Pennsylvania sieht CNN inzwischen erste Effekte von McCains Powerplay, der Abstand verringere sich leicht:
Obama’s lead over McCain in Pennsylvania stands at eight points, according to CNN’s latest poll of polls in the state. Fifty-one percent of likely voters in the state back Obama while 43 percent back McCain. CNN’s previous Pennsylvania poll of polls, released October 30, showed Obama leading McCain by 11 percentage points.
In Indiana, Missouri und Montana dagegen beiden Kandidaten Kopf an Kopf, in Florida legt Obama einen auf vier Punkte zu, in Colorado hält er seine Führung von sieben Punkten.
Unter dem Strich
Trotz dieser auf dem Papier aussichtslosen Lage der Republikaner weigern sich die meisten Experten, Barack Obama bereits jetzt zum Sieger zu erklären. Zu viel könne noch passieren bzw. am Wahltag schief gehen. Die Washington Post hat sich bei den Experten umgehört und liefert alle möglichen potenziellen Überraschungen. Das Fazit: alles kommt auf die Wahlbeteiligung an - und auf die rund vier bis sechs Prozent derjenigen, die sich immer noch nicht entscheiden konnten. Ihnen spürte die New York Times nach.
An den wenigen Wahllokalen, bei denen die vorgezogene Stimmabgabe möglich ist, bilden sich weiter lange Schlangen. Ein Zeichen, dass die anvisierte Zahl von 130 Millionen Wählern tatsächlich erreicht werden kann - und Grund für große Nervosität bei den Wahlhelfern. Bei der Voter Hotline von CNN gingen riefen bereits zehntausende von verunsicherten Wählern an.
AP lässt Wahlexperten zu Wort kommen, die allerdings darauf hinweisen, dass in früheren Jahren wie etwa 1960 die Beteiligung schon sehr viel höher war als bei den letzten Urnengängen.
David Broder, der für die Washington Post seit 1966 die Politik analysiert, hat sich bereits eine historische Brille aufgesetzt:
For decades, I have said that the 1960 Kennedy-Nixon campaign was the best I ever saw. But most of the drama in that contest came after Labor Day. This time, the excitement was generously distributed over a whole year, with moments of genuine humor from Huckabee, a torrent of uninhibited conversation from McCain and Biden, and rare eloquence from Obama and both Clintons. The country faces a choice between two men who both promise the nation a more principled, less partisan leadership. And meanwhile, what a show it has been - the best campaign I've ever covered.
Falls Sie es verpasst haben:
Zwei wichtige Gastbeiträge zum Theme Wahlausgang, Wahlverfahren und Wahlrecht:
Kommentare
Fr, 17.08.2012 16:37
Ich hätte einen Kommentar zur Übersetzung von "...and a king who took us to the mountainto p and pointed the way to [...]
So, 10.06.2012 15:01
Was ist denn so schlimm daran, dass ein Hauptschüler die Red e übersetzen könnte? Das heißt doch noch lange nicht, [...]
Mi, 14.03.2012 18:47
könnte mir bitte jemand den un terschied zwischen delegierten und den wahlmännern erklähren BITTE
Sa, 21.01.2012 18:11
Die Zeile "a president who cho se the moon as our new frontie r," Heißt nicht "des Präsiden ten, der den Mond als un [...]
Fr, 24.06.2011 01:31
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