John McCain lieferte Barack Obama eine harte und in weiten Teilen sachliche Debatte, wer von beiden das bessere Wirtschaftskonzept für "Joe the plumber" hat. Doch kann der Republikaner das letzte TV-Duell nicht nutzen, um die Favoritenrolle des Demokraten in Frage zu stellen.
Immer wieder rennt John McCain gegen die Bastion an. Unablässig wirft er seinem Konkurrenten vor, für „Joe the plumber“ die Steuern erhöhen zu wollen und mit Ex-Terroristen gemeinsame Sache zu machen. Doch Barack Obama lässt die Attacken kühl abgleiten. Nach der letzten TV-Debatte geht der Demokrat als haushoher Favorit ins Finale um die US-Präsidentschaft.
Die Frontlinien waren bei der dritten und letzten Fernsehdebatte der beiden Spitzenkandidaten um das Amt des amerikanischen Präsidenten waren von der ersten Frage an klar: Hier der Demokrat Barack Obama in der Favoritenrolle, der in allen Umfragen scheinbar uneinholbar führt. Dort der Republikaner McCain, der um seine letzte Chance kämpfen muss. Er werde Obama den Hintern auspeitschen, hatte der 72jährige Senator aus Arizona seinen Anhängern noch vor der Debatte versprochen.
Doch was die Zuschauer dann über 90 Minuten auf der Bühne der Hofstra Universität in Hempstead, NY, erlebten war eine intensive, aber über weite Strecken sehr sachliche Debatte, geprägt vor allem durch das alles überschattende Thema der drohenden Rezession. Beide Kandidaten präsentierten sich als Oppositionskandidaten, die mit den Exzessen an der Wall Street aufräumen und die Politik in Washington endlich wieder auf den richtigen Kurs bringen wollen. Beide präsentieren sich in dunklen Anzügen als seriöse Staatsmänner, doch ihre Aussagen haben gleichermaßen populistische Untertöne.
Gleich in der ersten Antwort setzt sich John McCain an die Spitze der Protestbewegung. Amerikas Bürger seien von der Krise schwer getroffen und wütend auf die Politik, sehr wütend – und beides mit Recht. Die Amerikaner seien die unschuldigen Opfer „der Gier an der Wall Street und auch in Washington“. Er bekräftigt seine Vorschläge, weitere 60 Mrd. Dollar einzusetzen, um den Rentnern, Sparern und Unternehmern aus der Klemme zu helfen. Er beharrte auch auf dem Vorstoß, aus rund die Hälfte des 750 Mrd. Dollar schweren Rettungsplans der Bush-Regierung aufzuwenden, um die Hypotheken von in Not geratenen Hausbesitzern zum Nennwert aufzukaufen.
Mit den Details hält sich McCain aber nicht lange auf. Statt dessen zitiert er immer wieder „Joe Wurzelbacher, den Klempner“. Dabei bezieht er sich auf eine Begegnung von Barack Obama bei einem Wahlkampfauftritt in Ohio mit eben diesem Joe – den McCain jetzt als Beleg dafür anführt, dass der elitäre Obama einfach kein Ohr für die Nöte des Mittelstandes habe, die sich vor neuen Steuererhöhungen fürchteten. McCain schaut direkt in die Kamera und wendet sich an all die Joes da draußen:
“Joe, ich verspreche Dir, ich helfe Dir dabei diesen Betrieb zu kaufen, für den Du Dich Dein ganzes Leben lang krumm gemacht hast. Und ich werde Deine Steuern niedrig halten und für eine bezahlbare Krankenversicherung für Dich und Deine Angestellten sorgen.“
Obama kontert die Attacke gelassen. Joe habe einfach zu viele der Werbespots der McCain-Kampagne gesehen, die den Wählern Angst einjagten. Beide Kandidaten wollten die Steuern senken, klar. Doch während der Republikaner vor allem die Last der großen Konzerne um weitere 200 Mrd. Dollar mindern. Er hingegen, betont Obama, wolle sich um die 95 Prozent der Steuerzahler kümmern, die bei den Steuersenkungen der Bush-Ära leer ausgegangen seien:
„Genau das habe ich Joe, dem Klempner gesagt: vor fünf Jahren hättest Du die Steuersenkung gebraucht um Deinen Laden zu kaufen. Bush hat sie dir verweigert, ich werde sie dir geben.“
Und wieder wirft Obama seinem Gegner vor, für eine Fortsetzung der Politik von George W. Bush zu stehen. Ein alter Vorwurf, doch diesmal ist McCain darauf besser vorbereitet:
„Senator Obama, ich bin nicht Präsident George W. Bush. Wenn Sie gegen Bush antreten wollen, dann hätten Sie sich vor vier Jahren melden müssen.“
Doch die fiskalpolitische Gretchenfrage kann keiner der beiden Kandidaten beantwortet. Was wollten sie unternehmen, um das völlig aus dem Ruder laufende Staatsdefizit wieder unter Kontrolle zu bringen, fragt Moderator Bob Schieffer.
Obama weicht der Antwort weitgehend aus, verspricht aber, jede zusätzliche Ausgabe zu 100 Prozent durch Einsparungen an anderer Stelle auszugleichen.
McCain kündigt an, alle Staatsausgaben quer über alle Einzeletats hinweg einfrieren zu wollen: „Erst werde ich das Beil herausholen – und danach lege ich noch das Skalpell an“, sagte McCain.
Der US-Finanzminister hatte gestern ein Defizit in der Haushaltskasse von 455 Mrd. Dollar bekannt gegeben – mit den kommenden. Ausgaben des Finanzrettungspakets und der Wahlversprechungen der Kandidaten könnte es rasch auf 1000 Mrd. Dollar anschwellen.
Nur an wenigen Stellen in der Debatte tritt die Wirtschaft in den Hintergrund. So bringt McCain die Vorwürfe auf den Tisch, Obama habe Kontakte zu Bill Ayers, einem Professor in Chicago, der in den 60er Jahre in der terroristischen Gruppe „The Weathermen“ aktiv war. „Mir sind diese alten, ausgelaugten Terroristen egal. Aber ich will wissen, wie weit die Bekanntschaft geht“, sagte der Republikaner. Sarah Palin, seine Kandidatin für das Vizepräsidentenamt hatte Obama bei Wahlkampfauftritten vorgeworfen, dass er sich „mit Terroristen herumtreibe“.
Obama holt in seiner Antwort weit aus. Er wolle diese Sache ein für allemal klar stellen. Ayers sei Pädagogik-Professor in Chicago und habe sich „vor 40 Jahren, als ich gerade mal acht war“, an „verabscheuungswürdigen Taten“ beteiligt, die McCain zu Recht verurteile. Er selbst habe Ayers vor zehn Jahren kennen gelernt in einer Kommission, die sich mit der Schulreform in Chicago befasst habe. Das sei eine honorable Veranstaltung gewesen, finanziert von einem Botschafter Ronald Reagans. Er mache nicht mit Terroristen herum, betonte Obama. Sein Umgang seien eher Leute wie Ex-Notenbankchef Paul Volcker oder der Investmentguru Warren Buffet.
Am Ende scheinen Barack Obamas Verteidigungslinien zu halten. Er war als eindeutiger Favorit in diese letzte Debatte gegangen und musste nur Fehler vermeiden – was ihm ohne Probleme gelang. Umgekehrt war es an John McCain, Breschen in Obamas Festung zu schlagen – womit er scheiterte. Darin sind sich die Kommentatoren der US-Medien weitgehend einig.
Dan Balz schreibt in der Washington Post: "This debate may have been McCain's strongest performance of the three,
but it was also an example of how Obama has used the encounters to try to show that he has not only the knowledge of the issues but also the
temperament and the judgment that voters are looking for in a successor to Bush."
Roger Simon von Politico: "Sometimes McCain attacked directly, and sometimes he attacked sarcastically, but he never stopped attacking. And he never rattled Obama. Obama answered every attack and kept his cool. How cool? Obama was so cool that after 90 minutes under blazing TV lights, an ice cube wouldn’t have melted on his forehead."
Kritscher geht John Halpering bei The Page mit Obama um: During the first half of the debate, the Democratic nominee too often isplayed his worst traits-- petty, aloof, imperious-- and behaved as if he had some place better to be, although he became warmer and more engaged as the evening progressed. He did not seem to have an explicit
strategy, answering the questions piecemeal as they came his way, without driving a message or even a theme. He retained his consistently
unflappable air, and had a few fine moments. If he was sitting on his lead, it worked-- but perhaps at the expense of relinquishing part of
it."
Doch für das Fernsehpublikum ist der Sieger eindeutig: In einer CNN-Blitzumfrage nach der Debatte gaben 58 Prozent der Befragten Obama die besseren Noten, 31 Prozent stimmten für McCain. Bei CBS kommt der Republikaner gar nur auf 22 Prozent. Vor der Debatte hatten bei CNN 63 Prozent ein positives Bild von dem Demokraten, danach waren es drei Prozentpunkte mehr. John McCains rutschte in dieser Bewertung dagegen von 51 auf 49 Prozent ab.
Sehr viel knapper fällt Obamas Debatten-Sieg einer Politico-Umfrage aus: 49 zu 46. Bei den Unabhängigen unter den Befragten habe McCain die dritte Runde gar mit 51 zu 42 gewonnen.
Doch zeigt eine Umfrage der Washington Post (vor der Debatte), wie stark sich das Rennen in den letzten Wochen im Verlauf der Wirtschaftskrise verändert hat: Inzwischen halten 54 der Amerikaner Obama für einen starken Führer, nur noch 40 Prozent sprechen McCain diese Rolle zu. 45 Prozent der Befragten halten Obama für eine riskante Wahl - aber bei McCain sind es 55 Prozent.
Kommentare
Fr, 17.08.2012 16:37
Ich hätte einen Kommentar zur Übersetzung von "...and a king who took us to the mountainto p and pointed the way to [...]
So, 10.06.2012 15:01
Was ist denn so schlimm daran, dass ein Hauptschüler die Red e übersetzen könnte? Das heißt doch noch lange nicht, [...]
Mi, 14.03.2012 18:47
könnte mir bitte jemand den un terschied zwischen delegierten und den wahlmännern erklähren BITTE
Sa, 21.01.2012 18:11
Die Zeile "a president who cho se the moon as our new frontie r," Heißt nicht "des Präsiden ten, der den Mond als un [...]
Fr, 24.06.2011 01:31
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