Hillary Clinton hat auf dem Parteitag der Demokraten eine große Rede gehalten, sich kraftvoll hinter Barack Obama gestellt und ihre Anhänger beschworen, diesem Beispiel zu folgen. Mehr kann sich Obama nicht wünschen, aber vielleicht weniger. Hillarys Rede war so gut, dass sie die Latte selbst für den Starredner Obama ziemlich hoch legt. Und ihren treuesten Fans wird noch einmal schmerzlich bewusst, was sie mit dem Traum von der ersten Präsidentin Amerikas verloren haben. Eine Reportage.
Mit großer Spannung war Hillary Clintons Rede erwartet worden. Sie hatte im Vorwahlkampf 18 Millionen Stimmen gewonnen und war bei den Wahlmännern nur knapp geschlagen worden. Von ihrem Auftritt hing es ab, ob sich ihre Anhänger hinter den parteiinternen einstigen Rivalen Barack Obama stellen - oder sich in den Schmollwinkel zurückziehen und dem Republikaner den Weg ins Weiße Haus ebnen.
Die Parteitagsregie machte es am Dienstag spannend. Für die beste TV-Sendezeit, ganz am Schluss des zweiten Tages in Denver, war Clinton eingeplant. Und zunächst sah alles danach aus, als ob Hillary ihren Anspruch auf die Führungsrolle der Demokraten erneuern wolle. In einem Video-Clip, von mitreißender Rockmusik untermalt, wird ihr Aufstieg idealisiert, ihre besten Wahlkampfmomente Schlag auf Schlag zitiert, mit der charakteristischen rauchigen Stimme, begeisternd, kämpferisch, selbstironisch. Die Botschaft, immer wieder wiederholt: Frauen können es. "Wenn Amerika fünf Frauen ins All gebracht hat, dann werden wir es auch schaffen, eine Frau ins Weiße Haus zu schießen". Den Ritterschlag aber erteilt ein Mann, Ex-General Wesley Clark: "Hillary Clinton is one tough cookie". Doch das letzte Wort des Video-Clips, aus dem off, klingt versöhnlich: "Okay, sie ist nicht Astronaut geworden - aber sie hat nach den Sternen gegriffen." (Hier das gesamte Intro-Video.)
Dann tritt First Daughter Chelsea Clinton im schwarzen Kostüm auf die Bühne und begrüßt eine Frau im unvermeidlichen Hosenanzug, dieses Mal optimistisch apricot-farbend: "Meine Mutter, und mein Held: Hillary Rodham Clinton." Das reicht schon, und der Saal tobt, für geschlagene sechs Minuten kommt die Gefeierte nicht zu Wort, bis sie sich schließlich mit ihrer längst nicht mehr heiseren Stimme kraftvoll über den Lärm hinwegsetzt.
Hillary Clinton weiß, wie man den Spannungsbogen setzt. "Ich stehe hier als stolze Mutter, als stolze Demokratin, als stolze Senatorin aus New York, als stolze Amerikanerin - und als stolze Unterstützerin von Barack Obama." Und wieder kocht der Saal, der Bann ist gebrochen. Der Rest der Rede ist eine einzige Hommage, an dass, was die Demokraten erreichen können, wenn sie gemeinsam kämpfen - und eine Kampfansage an die Republikaner, an ihren Kandidaten John McCain wie es sich viele der 4400 Delegierten im Pepsi-Center seit zwei Tagen gewünscht haben. (Hier die gesamte Rede im Transkript und hier als Video.)
"Jetzt ist es Zeit für Euch, dieses Land zurück zu gewinnen - egal ob ihr in der Vorwahl für mich oder für Barack Obama gekämpft habt", drängt Hillary ihre eigenen Fans von Anfang an. Sie gibt die Rolle der guten Verliererin, die sie in den harten Primaries so lange störrisch verweigert hatte. Und sie sagt auch, worum es bei der Wahl am 4. November geht: "Ich habe nicht 35 Jahre lang in den Schützengräben gekämpft, um jetzt zuzusehen, wie ein weiterer Republikaner ins Weiße Haus einzieht und Amerikas Hoffnung zerplatzen lässt." Mit einem Kalauer bringt sie es auf den Punkt: "No way, no how, no McCain."
Und sie gibt noch mehr: "Barack Obama ist mein Kandidat - und er muss unser Präsident werden." Sie verneigt sich, vor Obama, vor dessen "großartigen Frau Michelle, die eine formidable First Lady sein wird", vor Joe Biden, der "ein guter Vizepräsident wird, pragmatisch, hart, weise". Vielleicht ist das alles nur inszeniert – aber dann ist es sehr gekonnt gespielt. Denn Hillary ist viel zu sehr Machtpolitikerin als das sie einen demokratischen Präsidenten an ihrem eigenen Ego scheitern lassen würde.
Natürlich zollt Clinton ihren Unterstützern Tribut, hält eine weit feministischere Rede, als je zuvor. Selbstironisch bedankt sich sich bei ihrem Küchenkabinett, der "Schwesternschaft der reisenden Hosenanzüge." Klar, dass sie von der Glasdecke redet, die bislang zwischen Amerikas Frauen und den Top-Jobs lag - und die nun "18 Millionen Risse" bekommen hat. Und natürlich verweist sie auf das Datum dieses besonderen Tages: "Vor genau 88 Jahren haben Amerikas Frauen das Wahlrecht bekommen. Meine Mutter wurde geboren, bevor Frauen wählen durften. Und meine Tochter hat dafür gestimmt, das ihre Mutter Präsidentin wird." Die Kamera zoomt immer wieder auf Bill Clinton, der ihr in der Halle gegenüber steht, seinen Mund zusammenzieht, um Haltung zu bewahren - und es dennoch fertig bringt, seine Frau mit den Augen anzustrahlen.
Sie schafft es sogar, den Bogen von ihrem Gatten Bill zu Barack Obama zu schlagen, die sich angeblich bis zur letzten Minute in den Kulissen gestritten haben: "Die Demokraten wissen, wie Amerikas Probleme zu lösen sind. Wir haben es schon einmal gemacht. Wir haben es unter Präsident Bill Clinton gemacht und wir werden es wieder machen, mit Präsident Barack Obama." Nur eine kleine Spitze kann sie sich nicht verkneifen, wenn sie sagt, sie könne es gar nicht abwarten, bis Präsident Obama das Gesetz unterzeichnet, dass alle Amerikaner unter den Schutz einer Krankenversicherung stellt - denn gerade das will Obama mit seiner Gesundheitsreform nicht machen.
Dann scheint es fast, als lasse sich Hillary Clinton selbst von der so berechnend kurzen Leine: Punkt für Punkt zählt sie auf, wo ihr "Kollege und Freund" John McCain überall falsch liegt. Die fehlenden Jobs, das marode Gesundheitswesen, die schwache Infrastruktur, der Krieg gegen Irak - Punkt für Punkt zählt die Ex-Präsidentschaftskandidaten auf, worum es bei dieser Wahl geht. Sehr konkret, sehr anschaulich drängt sie die Republikaner in die Ecke. "Keep going", feuert sie die Delegierten an, macht weiter, gebt nicht auf.
Leise keimt der Verdacht auf, Hillary wolle Obama die Show stehlen, seine Parteitagsrede am Donnerstag vorweg nehmen. Doch genau auf den Punkt zieht die gute Verliererin demonstrativ die Notbremse: "Vergesst es nicht: bevor wir weiter machen können müssen wir erst einmal an den Start gehen - indem wir Barack Obama zum Präsidenten wählen."
Noch einmal lässt sich Hillary Clinton feiern, minutenlang tänzelt sie über die Bühne wie einst Udo Lindenberg, feuert die Delegierten immer wieder an. Dann verschwindet sie in der Menge und überlässt ihren Fans sich selbst. Und so eindeutig wie Clintons Worte waren, die Botschaft ist zweideutig: Barack Obama wäre ein guter Präsident, aber Hillary Clinton wäre ein noch bessere Präsidentin gewesen.
Die treuesten ihrer Anhänger bleiben ratlos zurück. CNN interviewt eine anonyme Delegierte, eine schwarze Frau im weißen T-Shirt mit dem großen blauen H, die wie gebrochen erscheint: "Wir sind so weit gekommen, sie hat uns heute noch einmal gezeigt, was sie kann." Verbitterung kommt hoch, wenn sie betont, dass Hillary alles für Obama getan habe - nun sei es an ihm, ihr die Achtung und den Respekt zu geben, den sie verdiene. Natürlich werde sie am 4. November nicht John McCain wählen, sagt die Delegierte, nun schon in Tränen. Aber Barack Obama ihre Stimme zu geben, dazu können sie sich immer noch nicht durchringen.
Das sagen die anderen:
Hillary Does Her Duty - Tom Bevan, RealClearPolitics
The Better Hillary Does, the Worse for Obama - Dick Morris, The Hill
Kommentare
Fr, 17.08.2012 16:37
Ich hätte einen Kommentar zur Übersetzung von "...and a king who took us to the mountainto p and pointed the way to [...]
So, 10.06.2012 15:01
Was ist denn so schlimm daran, dass ein Hauptschüler die Red e übersetzen könnte? Das heißt doch noch lange nicht, [...]
Mi, 14.03.2012 18:47
könnte mir bitte jemand den un terschied zwischen delegierten und den wahlmännern erklähren BITTE
Sa, 21.01.2012 18:11
Die Zeile "a president who cho se the moon as our new frontie r," Heißt nicht "des Präsiden ten, der den Mond als un [...]
Fr, 24.06.2011 01:31
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