In Europa ist er fast unbekannt, doch in Amerikas Politzirkeln gilt der Gouverneur von Virginia inzwischen als heißer Anwärter auf den Posten des Vizepräsidenten-Kandidaten unter Barack Obama. Doch wer ist Tim Kaine? Was spricht für, was gegen ihn?
Spätestens in der kommenden Woche, nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub auf Hawaii, wird Barack Obama seinen Running Mate vorstellen. Denn schon in der Woche darauf beginnt der Parteitag der Demokraten in Denver, wo der Kandidat für die Vizepräsidentschaft am Mittwoch die Hauptrede halten soll. Wer will kann sich übrigens
hier registrieren, um von der Obama-Kampagne sofort über die Entscheidung informiert zu werden.
Obamas Stellenbeschreibung - und die Kandidaten
Seine Anforderungen an den Running Mate hatte Obama so definiert: "I'm going to want somebody with integrity. I'm going to want somebody with independence, who's willing to tell me where he thinks or she thinks I'm wrong, and I'm -- I'm going to want somebody who shares a vision of the country where we need to go, that we've got to fundamentally change not only our policies, but how our politics works, how business is done in Washington."
Nachdem sich einige Kandidaten selbst aus dem Rennen katapultiert hatten (John Edwards) oder von Anfang ziemlich unwahrscheinlich waren (Al Gore, Hillary Clinton), konzentriert sich die Debatte jetzt auf Amträger aus den Bundesstaaten, die über praktische politische Erfahrung verfügen und einen der entscheidenden Swing States ins Lager der Demokraten bringen könnte. Tim Kaine (50), der Gouverneur von Virginia, wird in diesem Zusammenhang immer wieder genannt, für einige Beoachter gilt er inzwischen als Favorit, neben Joe Biden, Evan Bayh und Kathleen Sebelius. Mehr zu den anderen Kandidaten in diesem Beitrag.
In der Favoritenrolle
Politico zitiert Quellen aus Obamas Umfeld, die Tim Kaine eine Favoritenrolle zuschreiben: "Kaine, an early Obama supporter whose biography nicely dovetails with the Illinois senator’s, "ranks very, very high on the short list," said a source who has spoken recently to senior Obama aides about Kaine. Kaine "is getting a critical examination," the source said."
Und auch Michael Gerson setzt in der Washington Post findet Argumente für Kaine: "All this makes Kaine a serious vice presidential possibility. His social justice Catholicism fits seamlessly with Obama's social gospel Protestantism. Kaine has a strong civil rights background - as a lawyer at a small firm, he represented clients in housing discrimination and death penalty cases. He has been only a modestly successful governor but proved capable of rising to a large moment in the aftermath of the Virginia Tech shootings. While lacking foreign policy background, Kaine (like Obama) is viewed by national Democrats as a quick study."
Allerdings, so Gerson, habe Kaine Probleme mit seiner Haltung in der Abtreibungsfrage und bei der Todesstrafe: Einerseits sei er als gläubiger Katholik gegen beides, doch als Vertreter des Staates stelle er das geltende Recht über seine persönliche Meinung. Und auch Kaine hat als Gouverneur einige Todesurteile vollstrecken lassen. "Während seinen zweieinhalb Amtsjahren als Gouverneur in Virginia sind acht Menschen exekutiert worden - und das obwohl Kaine immer wieder seine Ablehnung der Todesstrafe deutlich gemacht hat. Allerdings passt das in gewisser Weise auch zu Obama, der bei diesem heißen Wahlkampfthema ebenfalls eine ambivalente Haltung einnimmt", argumentiert Markus Ziener im Handelsblatt.
Jesuit, Jurist, Gouverneur
Kaines Biographie weist tatsächlich ein paar Parallelen zu Obamas Lebenslaufauf. Er stammt aus einfachen Verhältnissen, studiert Jura in Harvard, widmete sich zwischendurch aber eine gemeinnützigen Tätigkeit: für die Jesuiten arbeitete Kaine ein Jahr lang als Missionar in Honduras. Danach arbeitete er als Anwalt (v.a. für Mieter in Not) in Richmond, Virginia, wurde dort Bürgermeister, heiratete die Tochter eines früheren Gouverneurs von Virginia, 2002 wurde er selbst Vize-Gouverneur und 2006 rückte er auf den Chefposten seines Heimatstaates nach. Auf der nationalen Bühne wurde er bekannt, als er am 31.1. 2006 die Antwortrede der Demokratenauf George Bushs Rede zur Lage der Nation halten durften. Darin kritisiert er vor allem Bushs Steuerkürzungen für die Wohlhabenderen und ruft zu einer überparteilichen Reform des Landes auf. Mehr zur Biographie findet sich auf Gouverneur Kaines offizieller Website.
Seine Amtszeit als Gouverneur ist bislang unspektakulär, aber effektiv, urteilt das Wall Street Journal: "He has kept the state's GOP on the defensive, brought his party to within striking distance of retaking the state legislature and has run a competent administration. He doesn't have a major overhaul of the state's transportation system to his credit or any other major reform to point to, but instead has quietly built his political persona as someone who can work the levers of government, play hardball when necessary and operate comfortably in the shadow of larger political personalities."
Kain unterstützt Obamas Bewerbung um das Präsidentenamt bereits seit Anfang 2007, Obama selbst pries seine Qualitäten: "Tim Kaine has a message of fiscal responsibility and generosity of spirit. That kind of message can sell anywhere."
Keine Bestätigung, kein Dementi
Allen Spekulationen über seine mögliche Rolle im Team mit Obama umgeht Kaine vorsichtig, dementiert aber auch nichts: "It's flattering to be mentioned, my mom loves it, she calls me, she sees it. But that's for the campaign to decide. The campaign has made very good decisions thus far. And I think, however they decide, they are going to make a very good decision about Sen. Obama's running mate", sagte er CNN. Und weiter: "I haven't sought it, I'm not running for it, I'm not asking for it. I never asked anything of the campaign. I didn't endorse him to get anything. I endorsed him to help him."
Dennoch spricht auch einiges gegen Kaine. "Kaine is a very capable guy and would help in Virginia, but I wonder whether Obama should pick someone with even less foreign policy experience than he has,” zitiert The Hill den Politologen Charlie Cook
Die Argumente
pro: Kaine stammt aus Virginia, einem der entscheidenden traditionell konservativen Swing States im Süden. Er ist ein Landespolitiker und entspringt nicht der Washingtoner Politikerkaste. Aus seiner Zeit als katholischer Missionar in Honduras spricht er fließend spanisch und kann bei den noch eher skeptischen spanischsprachigen Wähler ebenso wie bei den Katholiken und in der weißen Arbeiterklasse Punkte machen. Zudem hat er ein gutes persönliches Verhältnis zu Obama.
contra: Kaine ist erst seit weniger als drei Jahren Governeur und kann nicht allzuviel Regierungserfahrung oder gar außenpolitisches Knowhow einbringen. Seine persönliche und politische Haltung zur Todesstrafe und Abtreibung ist widersprüchlich.
Kommentare
Fr, 28.05.2010 18:39
Historischer Umbau? Du hast sc hon mitbekommen, dass von den ursprünglichen Plänen nicht vi el übrig geblieben ist u [...]
So, 14.02.2010 12:48
Herzlichen Dank für die Überse tzung. Auch wenn ich gewusst h ätte, dass es später eine Über setzung geben würde, ich [...]
Mi, 20.01.2010 00:29
Eine Einordnung, die Ihrer ähn elt, hat der großartige Robert Misik in seinem Videocast für den Standard abgegeben. [...]
Di, 05.01.2010 18:06
super gemacht.I like it.sehr d eutlich und gut zusammengefass t.
Mi, 23.12.2009 06:08
ich kaufe seit längerem schon keine usa produkte mehr. für m ich sind die usa der terrorsta at nummer 1 weltweit. si [...]