Bei den Demokraten ist es keine Frage mehr, ob Hillary Clinton zurückzieht - sondern nur noch wann und wie. Sie hat es in der Hand, die Wahlchancen der Demokraten zu verbessern, indem sie die faire Verliererin gibt und den Schulterschluss mit Barack Obama vollzieht. Setzt sie ihre harten Attacken dagegen bis zum Ende der Vorwahlen oder gar bis zum Parteitag Ende August vor, droht den Demokraten eine Zerreißprobe.
Ab jetzt geht es um die Wahlmänner. Hier lautet die magische Zahl 270: Wer soviele Wahlmänner hat, hat die Mehrheit im 538 Köpfe starken Wahlmännerkollegium (Electoral College) und wird zum Präsidenten gewählt, formal erst am 18. Dezember. Je nach Bevölkerungszahl verfügt jeder Bundesstaat über eine bestimmte Anzahl von Wahlmännern - die (in der Regel) komplett an den Kandidaten gehen, der in dem jeweiligen Staat die meisten Stimmen bekommt. Diese "The Winner Takes It All"-Regel kann dazu führen, dass der Kandidat mit den US-weit meisten Stimmen nicht der Kandidat mit den meisten Wahlmänner ist - wie zuletzt 2000 im Rennen von George W. Bush gegen Al Gore. (Mehr zu Berechnungsmethode hat Carl Bialik im Wall Street Journal: "Bad Math = Mad Politics".)
Daher geben US-weite Umfragen, ob man für Obama oder McCain stimmen werde, zwar die Stimmung wieder, sagen aber wenig über den möglichen Wahlausgang aus. Dennoch für das Protokoll: hiernach führt derzeit Obama mit zwei bis drei Prozentpunkten knapp vor McCain. Und auch die Frage, ob man für einen Demokraten oder einen Republikaner stimmen will (demnach bräuchte ein Republikaner 2008 gar nicht erst antreten), führt nicht weiter.
Statt dessen ist die entscheidene Frage ab jetzt, ob Barack Obama oder John McCain die kleine Zahl von Schlüsselstaaten gewinnt, die aufgrund ihrer demographischen Struktur und politischen Geschichten nicht fest in demokratischer oder republikanischer Hand sind, die so genannten Swing States. Das sind je nach Einschätzung zwischen zehn und höchstens fünfzehn der 50 US-Bundesstaaten - wobei Ohio, Florida und Pennsylvania als Hauptpreise gelten. Welche Staaten tatsächlich ihre Farbe wechseln könnten wird heiß debattiert, Chris Cillizza bewertet regelnäßig die zehn wahrscheinlichsten Swing States. Die New York Times hatte eine interaktive Karte der Staaten, die Obama oder McCain als Swing State einordnen. (Aktuelle Informationen zu den Swing States finden sich hier.)
In der Vorwahl hatte Obama gerade in einigen der wichtigsten Swing States gegen Clinton verloren - was aber zunächst nichts über seine Chancen aussagt, wenn der Gegner McCain heißt. Konkret geht es darum, ob Obama weiterhin so stark neue Wähler mobilisieren kann, wie er bei Unabhängigen und wankelmütigen Republikanern ankommt - und vor allem, ob er Clintons loyale Wähler (Frauen, Senioren, Latinos, Weiße mit unterdurchschnittlichem Einkommen und unterdurchschnittlicher Bildung) zu sich herüberziehen kann. Immerhin rund die Hälfte der Clinton-Wähler hatte bei Exit Polls nach den Vorwahlen angegeben, eher für McCain oder gar nicht zu stimmen als für Obama. Genau hier muss der Kandidat jetzt ansetzen.
Natürlich gibt es bereits jetzt Prognosen, die auf Basis von Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten hervorzusagen versuchen, wie die Wahlmänner am 4. November verteilt werden. Natürlich sind diese Zahlen mit großer Vorsicht zu behandeln - der richtige Wahlkampf beginnt erst und in den nächsten sechs Monaten kann das Rennen noch viele Male auf den Kopf gestellt werden.
Hinzu kommt, dass beide Kandidaten eine besondere Anziehungskraft auf unabhängige Wähler und auch auf wankelmütige Wähler der anderen Partei haben - was die politische Landkarte ganz neu zeichnen könnte.
Im Moment zeigen die Berechnungen ganz unterschiedliche Ergebnisse an. Die unabhängige Website 270towin.com zeigt die übliche Karte, die blau (Demokraten), rot (Republikaner) oder neutral eingefärbt ist. Diesen Angaben nach entfallen auf
- Obama 201 Wahlmänner
(69 aus Staaten mit starker demokratischer Präferenz, 132 aus Staaten, die zu den Demokraten tendieren - McCain 154 Wahlmänner
(55 mit starker republikanischer Präferenz, 99 aus Staaten, die zu den Republikanern tendieren - Swing States 183 Wahlmänner
Das Wall Street Journal stellt (mit Bezug auf nicht weiter erläuterte "Strategists" ganz andere Zahlen vor:
- Obama 120 Wahlmänner
- McCain 174 Wahlmänner
- Swing States 244 Wahlmänner
Auch Karl Rove, der frühere Chefberater und politisches Hirn von George W. Bush, stellt eigene Berechnungen an. Dabei muss man im Kopf behalten, dass alle der zahlreichen Kommentare Roves zum aktuellen Wahlkampf interessensgeleitet sind, also die Wahl eines Demokraten ins Weiße Haus verhindern will. Seine Zahlen gehen von sehr viel weniger offenen Staaten aus:
- Obama 217 Wahlmänner
- McCain 241 Wahlmänner
- Swing States 80 Wahlmänner
Demnach hätte Obama kaum noch eine Chance, die Mehrheit zu bekommen. Aber das liegt vor allem daran, dass Rove die meisten großen Staaten bereits fest im Lager der Republikaner bucht. Und so ganz nebenbei lässt er einfließen, dass Clinton gegenwärtig gegen McCain einen weit besseren Stand (251 zu 203) hätte. Also könnten auch diese Zahlen nur dem Zweck dienen, die Zweifel an Obamas Wählbarkeit zu nähren und den Wettstreit der Demokraten künstlich zu verlängern.
Paul Maslin hat bei salon.com insgesamt 17 Staaten detailliert untersucht, die bei der Wahl in die eine oder andere Richtung kippen könnten - wobei er sich weniger auf aktuelle Umfrage als auf langfristige demokraphische Trends beruft. Demnach könnte Obama durchaus die magische Zahl von 270 Wahlmänner erreichen - aber er muss sich anstrengen. Hier Maslins Menü der Swingstates:
- States that strongly favor Obama:Minnesota, New Jersey, Oregon, Washington. That's 43 electoral votes. Add that to the safe blue 157 votes in 11 states and D.C. and Obama is at 200.
- States that slightly favor Obama: Iowa, Michigan, Pennsylvania, Wisconsin. Another 55 votes. He's now at 255
- States that strongly favor McCain: Florida, North Carolina. Their 42 electoral votes are probably going to the Republicans.
- States that slightly favor McCain: Colorado, 9 votes; Missouri, 11 votes; and Virginia, 13 votes. Obama's chances are better here.
- Pure toss-ups: Nevada, 5 votes; New Hampshire, 4 votes; New Mexico, 5 votes; and Ohio, 20 votes.
If Obama wins the 255 votes in the states where he's favored, then to get to 270 he needs to choose from the following menu:
- Win Ohio, which takes him to 275;
- win in the West -- Nevada, New Mexico and Colorado, for 274; 3) win the three N's (Nevada, New Mexico, New Hampshire) for 269, plus one other state;
- win two of the three N's and either Colorado or Virginia.
Wie auch immer - dieses Rennen ist so ungewöhnlich, argumentiert Reid Wilson von RealClearPolitics, das historische Erfahrungen wenig zählen und die Karte völlig neu gezeichnet werden muss: "The likeliest outcome, as analysts believe and polls show, is a map in which both candidates take some surprising electoral votes, and a map so unique as to flummox historians and political scientists for a generation to come."
Unter dem Strich kann man nur festhalten, dass das Rennen offen ist. Obama kann McCain schlagen. Aber auch McCain kann Obama schlagen.
Kommentare
Fr, 17.08.2012 16:37
Ich hätte einen Kommentar zur Übersetzung von "...and a king who took us to the mountainto p and pointed the way to [...]
So, 10.06.2012 15:01
Was ist denn so schlimm daran, dass ein Hauptschüler die Red e übersetzen könnte? Das heißt doch noch lange nicht, [...]
Mi, 14.03.2012 18:47
könnte mir bitte jemand den un terschied zwischen delegierten und den wahlmännern erklähren BITTE
Sa, 21.01.2012 18:11
Die Zeile "a president who cho se the moon as our new frontie r," Heißt nicht "des Präsiden ten, der den Mond als un [...]
Fr, 24.06.2011 01:31
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