Auf den ersten Blick erscheint die Debatte über den Respekt für waffentragende, gottesfürchtige Wähler zwischen den beiden demokratischen Bewerbern oberflächig. Doch dahinter verbirgt sich die Frage, ob Hillary Clinton und Barack Obama eine Chance haben, dieses Mal auch bodenständige, sozial konservative Wähler für die Demokraten zu gewinnen. Mit John McCain als Kandidat der Republikaner ist Lage eigentlich günstig.
Das vergangene Wochenende war von schwerem Gezänk der beiden Demokraten geprägt - was aber tiefer geht, weil sie plötzlich Themen wie Glauben und Waffenbesitz debattieren, die bislang eigentlich fest in der Hand der Republikaner waren.
Anlass waren Äußerungen Barack Obamas bei einem geschlossenen Treffen in San Francisco mit liberalen Spendern. Höchst ungeschickt hatte er Verständnis für hart geprüfte Amerikaner formuliert, die in den letzten Jahren ihre Arbeit verloren haben und für seine Botschaft so schwer zu erreichen seien: "It's not surprising that they get bitter, they cling to guns or religion or antipathy to people who aren't like them or anti-immigrant sentiment or anti-trade sentiment." (Die Huffington Post hatte als erste über diese Aussagen berichtet und hat ein Audiodokument dazu.)
Ein gefundenes Fressen für Hillary Clinton, die Obamas Worte sofort aufgriff, sobald sie bekannt geworden waren: "I was taken aback by the demeaning remarks Senator Obama made about people in small-town America. Obama's remarks are elitist and out of touch. They are not reflective of the values and beliefs of Americans, certainly not the Americans that I know. . . . Americans who believe in the Second Amendment believe it's a matter of a constitutional right, Americans who believe in God believe it's a matter of personal faith."
Hinter Obamas Bemerkungen wittert Clinton eine ganz grundsätzliche Gefahr für die Demokraten, die dadurch ihren Rückhalt in den konservativeren Schichten verlieren könnten: "We had two very good men, and men of faith, run for president in 2000 and 2004. But large segments of the electorate concluded that they did not really understand or relate to or frankly respect their ways of life," sagte sie am Sonntag abend mit Bezug auf John Kerry und Al Gore bei einem Auftritt auf einen Glaubens-Forum des Messias-College in Harrisburg. (Mehr zum Auftritt von Clinton und Obama in dem christlichen College hat The Caucus, RealClearPolitics hat Mitschriften der Aussagen von Barack Obama und von Hillary Clinton.)
Der Frage, wann Clinton denn das letzte Mal ein Gewehr in der Hand hatte oder in der Kirche war, weicht sie aus und wird grundsätzlich: "That is not a relevant question for this debate,. We can answer that some other time. I went to church on Easter, so . . . but that is not what this is about. This is about how people look at the Democratic Party and the Democratic leadership. We have been working very hard to make it clear we have millions of Democrats who are churchgoing or gun-owning and we are tired of having Republicans, or having our own Democrats, give any ammunition to the Republicans." (Via Washington Post)
Obama nutzt jede Möglichkeit, sich von Missinterpretationen eindeutig zu distanzieren:"I didn't say it as well as I could have." Und: "If I worded things in a way that made people offended, I deeply regret that." Doch zu spät. Ausgerechnet eine Woche vor der Wahl in Pennsylvania, das stark von der Arbeiterklasse geprägt ist und wo Obama erst zuletzt einen Teil von Clintons Vorsprung hatte gut machen können, kleben die Worte hartnäckig fest.
Laut Washington Post werden diese Kommentar von Experten als potenziell ebenso gefährlich für Obama eingeschätzt wir vor wenigen Wochen die Kontroverse über seinen früheren Mentor, Pastor Jeremiah Whright. Doch es gibt auch Insider bei den Demokraten, die genau entgegengesetzt argumentieren: "Ultimately, the case that McCain and Clinton will try to make that Obama is an elitist or out of touch has to be credible to the voter, and I don't believe it is. My sense is more people believe Obama, rather than McCain or Clinton, understand their lives and the challenges they face on a daily basis."
Mike Allen von Politico sieht die Affäre als möglicher Wendepunkt für ein weiteres Comeback Clintons: "This is a potential turning point for Obama’s campaign — an episode that could be even more damaging than the attention to remarks by his minister, the Rev. Jeremiah Wright, since this time the controversial words came out of his own mouth." Allen führt gleich zwölf Gründe an, warum die Kontroverse Obama schaden wird. John Harris argumentiert, die Clinton-Kampagne habe bereits seit langem erkannt, dass Obama zwar die demokratische Nominierung aber nicht die Wahl gegen John McCain gewinnen kann: ""That is why some friends describe Clinton as seeing herself on a mission to save Democrats from themselves."
Bereits vor ein paar Tagen hatte Clinton einen neuen Werbespot mit neue entdecktem historischen Bildmaterial veröffentlicht, dass die zweijährige Hillary im weißen Rüschenkleid in Scranton zeigt - eine echte Idylle. Darauf baut sie jetzt auf und nutzt die Affäre nicht nur zur Kritik an Obama, sondern um sich selbst plötzlich als Kirchgängerin und Verteidigerin des Rechts auf Waffenbesitz darzustellen.
So erinnert sie sich, wie ihr Vater sie früher mit zur Jagd genonmmen hat, ausgerechnet in Pennsylvania: "You know, my dad took me out behind the cottage that my grandfather built on a little lake called Lake Winola outside of Scranton and taught be how to shoot when I was a little girl.You know, some people now continue to teach their children and their grandchildren. It's part of culture. It's part of a way of life. People enjoy hunting and shooting because it's an important part of who they are. Not because they are bitter." (Via CNN)
Das wiederum brachte Obama auf die Palme: "I expected this out of John McCain. She knows better. Shame on her. (...) She's running around talking about how this is an insult to sportsmen, how she values the Second Amendment. She's talking like she's Annie Oakley! Hillary Clinton's out there like she's on the duck blind every Sunday, [like] she's packin' a six shooter! C'mon! She knows better." Und dann vergleicht er Clinton gar mit einer berühmten Scharfschützin aus dem Wilden Westen: "She's talking like she's Annie Oakley." CNN hat ein Video von dieser Rede bei einem Auftritt in Pennsylvania.
Ein Update zu dieser kontroverse findet sich
in diesem Beitrag.
Hillary Clintons neues Image als Jägerin habe ich im Handelsblatt beschrieben.
Kommentare
Fr, 28.05.2010 18:39
Historischer Umbau? Du hast sc hon mitbekommen, dass von den ursprünglichen Plänen nicht vi el übrig geblieben ist u [...]
So, 14.02.2010 12:48
Herzlichen Dank für die Überse tzung. Auch wenn ich gewusst h ätte, dass es später eine Über setzung geben würde, ich [...]
Mi, 20.01.2010 00:29
Eine Einordnung, die Ihrer ähn elt, hat der großartige Robert Misik in seinem Videocast für den Standard abgegeben. [...]
Di, 05.01.2010 18:06
super gemacht.I like it.sehr d eutlich und gut zusammengefass t.
Mi, 23.12.2009 06:08
ich kaufe seit längerem schon keine usa produkte mehr. für m ich sind die usa der terrorsta at nummer 1 weltweit. si [...]